Lutherjahr

Bedford-Strohm wirbt in Wittenberg für Einheit der Kirche

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Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm (l.), Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU, Mitte)), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ilse Junkermann (r.), Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland in Wittenberg.

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm (l.), Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU, Mitte)), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ilse Junkermann (r.), Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland in Wittenberg.

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Zum Reformationsjubiläum schaut die Welt nach Wittenberg. EKD-Chef Heinrich Bedford-Strohm plädierte für eine neue Einheit der Kirche.

Wittenberg.  Bundesweit hat die evangelische Kirche am Reformationstag des Thesenanschlags Martin Luthers vor genau 500 Jahren gedacht. An dem historischen Datum herrschte allerorten großer Andrang zu den Gottesdiensten, im Kurznachrichtendienst Twitter war #Reformationstag am Vormittag der meistgenutzte Hashtag. Einmalig war der Reformationstag bundesweit arbeitsfrei.

Die evangelische Kirche beging das Reformationsjubiläum in der Schlosskirche der Lutherstadt Wittenberg mit einem Aufruf zu einer neuen „inneren Freiheit“ für Deutschland. Beim zentralen Festgottesdienst am historischen Ort von Martin Luthers Thesenanschlag im Jahr 1517 rief der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, die Deutschen zu Mut und Veränderungsbereitschaft auf.

Christen sollten sich in gesellschaftliche Debatten einmischen

Das Land ringe mit sich, manche fühlten sich „moralisch überfordert“ und hätten Angst, ihre gewohnte Welt und Sicherheit zu verlieren, sagte Bedford-Strohm in der Wittenberger Schlosskirche im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Doch weder Obergrenzen für die Unterstützung von Menschen in Not würden Deutschland helfen „noch moralische Durchhalteparolen“, mahnte der oberste Repräsentant von rund 22 Millionen Protestanten.

Deutschland, das so gesegnet sei wie nie zuvor, habe ein „beeindruckendes Maß an Empathie gezeigt“, sagte Bedford-Strohm mit Blick auf die Aufnahme von Flüchtlingen. Der EKD-Ratsvorsitzende rief Christen dazu auf, sich in gesellschaftliche Debatten einzumischen.

In der weltberühmten Schlosskirche hatten sich unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen Vertreter aus Staat, Kirche und Gesellschaft versammelt, neben Steinmeier und Merkel auch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU). Gekommen waren zudem zahlreiche Ministerpräsidenten sowie Gäste aus dem Ausland. Der Überlieferung nach hatte der Reformator Luther (1483-1546) am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit an die Tür der Schlosskirche angeschlagen.

Bedford-Strohm und der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, überreichten gemeinsam ein Kreuz an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Sie werteten dies als „Versprechen der Christen“, für Friede, Versöhnung und Gerechtigkeit einzutreten, sagte Marx. Die Kirche sei älter und größer als die Zerstrittenheit der Konfessionen. „Wir wollen kräftig Zeugen der Hoffnung sein.“

Zuvor hatte Bedford-Strohm den Katholiken symbolisch die Hand ausgestreckt. Vor den Augen von Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wandte er sich in seiner Rede direkt an Papst Franziskus: „Wann immer du einmal hierher nach Wittenberg kommst, dann werden wir dich ein halbes Jahrtausend nach der Verbrennung der Bannbulle von ganzem Herzen willkommen heißen!“ Man müsse „mit Christus reden und dann mutig voranschreiten“.

Kirchen wollen künftig noch stärker aufeinander zugehen

Als ökumenisches Zeichen wurde das sogenannte Hildesheimer Versöhnungskreuz im Gottesdienst von der Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, an den Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, überreicht.

Die Liturgie wurde neben Junkermann geleitet unter anderen von der Reformationsbotschafterin des Rates der EKD, Margot Käßmann. Weiterer Teilnehmer war der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Olav Fykse Tveit, der rund 500 Millionen Christen weltweit repräsentiert. Der norwegische Pfarrer Tveit bezeichnete die Reformation als „Weltbürgerin“. Er rief die Kirchen dazu auf, weitere Schritte auf dem Weg zu mehr Einheit zu gehen.

Luthers Thesenanschlag gilt als zentraler Ausgangspunkt der weltweiten Reformationsbewegung, die zur Spaltung in evangelische und katholische Kirche führte. Kirche, Staat und Gesellschaft hatten ein Jahr lang mit vielen Veranstaltungen an die von der Reformation ausgelösten Umbrüche erinnert. (epd)