Naturschutz

Hier lässt Kenia 105 Tonnen Elfenbein in Rauch aufgehen

Stoßzähne, aufgetürmt zu zen gewaltigen Türmen, brennen unter den Augen bewaffneter Sicherheitskräfte.

Stoßzähne, aufgetürmt zu zen gewaltigen Türmen, brennen unter den Augen bewaffneter Sicherheitskräfte.

Foto: THOMAS MUKOYA / REUTERS

Es soll ein wirkungsvolles Signal gegen Wilderer und illegalen Handel sein: Kenia steckt eine riesige Menge Elfenbein in Brand.

Nairobi.  Eine dicke graubraune Rauchwolke steigt hoch über dem Nairobi Nationalpark auf. Rund 105 Tonnen Elfenbein und über eine Tonne Nashorn-Hörner stehen in meterhohen Flammen. Es sind Stoßzähne von tausenden Elefanten. Die zahlreichen Naturschützer, Schaulustige und Medienschaffende sehen schweigend zu. Nach den heftigen Regenfällen der vergangenen Wochen stehen am Samstag viele in Gummistiefeln im teils knöcheltiefen Schlamm.

105 Tonnen Elfenbein in Flammen

Noch etwa zwei Tage lang sollen die meterhohen Flammen brennen, bis das Elfenbein völlig zerstört sei, sagte Alexander Rhodes, Leiter der Organisation Stop Ivory, die maßlich an den Vorbereitungen beteiligt war. Seit vergangenen August hatte die Organisation gemeinsam mit der kenianischen Naturschutzbehörde (KWS) die Elfenbein- und Horn-Bestände in ganz Kenia gezählt und kodiert. Mit der Verbrennung will Kenia ein Zeichen gegen den Handel mit Elfenbein setzen. Nie wieder sollen sich Kriminelle an diesen Stoßzähnen bereichern können, so die Organisatoren.

Die Botschaft sei klar, sagte Kenias Präsident Uhuru Kenyatta, bevor er den ersten der zehn Elfenbeintürme anzündete. „Das Elfenbein gehört den Elefanten.“ Nur dort sei es wertvoll. Manche kritisierten, dass ein armes Land wie Kenia Elfenbein in einem Wert von geschätzten 150 Millionen Dollar verbrenne, sagte Kenyatta. Kenia sei vielleicht arm, aber es sei reich an Natur, und die gehöre geschützt. „Zukünftige Generationen werden uns für den heutigen Tag danken“, sagte der Präsident.

Der Verbrennung war eine zweitägige Konferenz zum Wildtierschutz vorausgegangen. Neben Kenyatta hatten auch Gabuns Präsident Ali Bongo Ondimba und Ugandas Präsident Yoweri Museveni der Tagung beigewohnt. Ondimba, der auch bei der Verbrennung anwesend war, warnte dort die Wilderer: „Eure Tage sind gezählt“, sagte er und erntete dafür den Applaus der Menge. Die zunächst angekündigten Prominenten wie der Schauspieler Leonardo DiCaprio waren zwar nicht vor Ort, der Stimmung der Naturschützer tat dies jedoch keinen Abbruch.

Feuer griff auf Gras über

Etwa eineinhalb Stunden nach dem Beginn der Verbrennung, als die Prominenten das Gelände bereits verlassen hatten, musste gegen 17 Uhr die Feuerwehr anrücken. Das Feuer hatte sich trotz der Feuchtigkeit wegen der Regenfälle auf das Gras ausgeweitet. Zunächst war unklar, ob möglicherweise Brennstoff ausgelaufen war. Zum Entzünden des Elfenbeins diente eine Mischung aus Kerosin und Diesel, erklärte Rhodes. Kerosin brenne schnell, Diesel erzeuge die nötigen hohen Temperaturen.

Rund 35.000 Elefanten wurden im vergangenen Jahr nach Angaben der Organisation African Wildlife Foundation (AWF) in Afrika getötet. Insgesamt gebe es nur etwa 400.000 bis 500.000 Elefanten, erklärten Naturschützer. Seit 1960 wurden der AWF zufolge zudem knapp 98 Prozent der Spitzmaulnashörner getötet. Der Preis für ein Kilogramm Elfenbein auf dem Schwarzmarkt liegt der Organisation Pro Wildlife zufolge bei rund 1000 Euro, ein Kilogramm Nashorn-Horn werde für mehr als 50.000 Euro gehandelt. Der größte Markt dafür: China.

Umweltverbände befürworten Vernichtung

Zahlreiche Naturschutzorganisationen befürworten die Vernichtung der Bestände. „Die Aufbewahrung beschlagnahmter Stoßzähne ist aufwendig und teuer“, sagt Daniela Freyer von Pro Wildlife. Gleichzeitig stellten sie ein großes Risiko dar, denn arme Länder könnten sich mit dem illegalen Handel konfiszierter Stoßzähne bereichern.

Kenias Regierung drängt die internationale Gemeinschaft zur Unterzeichnung eines weltweiten Handelsverbots, das bei einer Artenschutzkonferenz in Südafrika im Herbst diskutiert werden soll. Bereits in den 1980ern hatten die meisten Länder den Handel mit Elfenbein verboten, jedoch mit Ausnahmen. Eine Lockerung von Bestimmungen erlaube etwa China und Japan Lagerbestände aufzukaufen, erklärt Freyer. (dpa)