Musikfestival

Hunderttausende feiern beim Coachella-Festival in der Wüste

Sängerin Ellie Goulding bei ihrem Auftritt am ersten Tag des Coachella-Festivals.

Sängerin Ellie Goulding bei ihrem Auftritt am ersten Tag des Coachella-Festivals.

Foto: Kevin Winter / Getty Images for Coachella

200.000 Fans machen das Coachella-Festival in Kalifornien zum Spektakel der Superlative – unter ihnen befinden sich auch viele Stars.

Washington.  Spätestens seit der Wiederauferstehung des von Ostküsten-Rappern erschossenen Tupac Shakur ist der Name „Coachella“ im internationalen Musikfestival-Kalender eine glitzernde Marke. Vor vier Jahren stand der muskelbepackte schwarze Beau in dem Städtchen Indio plötzlich singend und tanzend auf der Bühne. Als Hologramm. Die am Computer animierte Illusion wirkte so echt, dass Fans an ein Wunder der Natur glauben wollten.

Beim geplanten allerersten Auftritt der Rocker von Guns N’ Roses 20 Jahre nach der Trennung sollte hingegen alles echt sein – bis in die letzte Gesichtsfurche. Für Samstagabend steht der Auftritt auf dem Programm.

Coachella, im Oktober 1999 mit gerade mal 25.000 Besuchern und Bands wie Beck, Morrissey, The Chemical Brothers und Rage Against The Machine als kleine Indie-Rock-Veranstaltung gestartet, war wieder einmal seinem Ruf als Anbahnungsort für eines der umsatzstärksten Vehikel im Musikgeschäft gerecht geworden: Wiedervereinigungen.

Zuletzt hatten in dem an 350 Tagen im Jahr staubtrockenen Tal 200 Kilometer nordöstlich von Los Angeles Jane’s Addiction, Nine Inch Nails und die bekannten Atlanta-Rapper Andre 3000 und Big Boi als Outkast wieder zusammengefunden.

Von Rock bis Elektro ist alles dabei

Doch bis zu der langersehnten Performance von Guns N’ Roses konnten sich die Festival-Fans schon über zahlreiche andere Musik-Acts freuen – unter anderem Kanye West, Ellie Goulding oder die Band Foals standen bereits auf der Bühne.

Coachella, das inzwischen an zweimal drei Tagen an die 200.000 Menschen und 150 Bands an den Fuß des 3300 Meter hohen San-Jacinto-Gipfels lockt, ist weit mehr als nur ein Pilgertreffen der Rock-Dinosaurier.

Von Anfang an machte sich der Veranstalter Goldenvoice einen Namen als erlesene Plattform für schweißtreibende elektronische Musik á la David ­Guetta. Raves in riesigen Zelten in der Wüste, das war in den frühen Jahren des neuen Jahrtausends in den USA ein Novum. Noch heute schwärmen Liebhaber dieser Musikrichtung von dem phänomenalen Auftritt von Daft Punk 2006. In diesem Jahr hält DJ Calvin Harris die Fahne hoch.

Das Festival ist ein Tummelplatz der Reichen und Schönen

Dass Coachella es in Amerika zu mehr Festivalruhm gebracht hat als Glastonbury (England) oder Roskilde (Dänemark), liegt nicht zuletzt an dem magischen Ort. Das Coachella-Tal im Schatten der Santa-Rosa-Berge war schon in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts Tummelplatz der Reichen und Schönen. Hollywoodstars wie Errol Flynn, Bob Hope, Bette Davis und etwas später Frank Sinatra mit seinem „Rat Pack“ flohen aus dem Moloch Los Angeles in die Gegend, in der sich neben den Cahuilla-Indianern nur Kojote und Hase Gute Nacht sagten. Später lockte das beständig trockene Klima Golfliebhaber in Massen an; es gibt auf kleinstem Raum über 100 Plätze. Nebenan in Indian Wells hat der Software-Milliardär Larry Ellison das zweitgrößte Tennisstadion der Welt (16.000 Sitzplätze) gebaut. Alles in Coachella ist groß. Und so wurde das Festival bei Eintrittspreisen von rund 400 Dollar pro Karte das profitabelste der Welt. Auf rund 85 Millionen Dollar beliefen sich allein im vergangenen Jahr die Einnahmen.

Die Nähe zum zwei Autostunden entfernten Hollywood hat Coachella zum Spielplatz der Stars aus dem Showgeschäft werden lassen, die sich in Hubschraubern einfliegen und in VIP-Zelten von Sterneköchen bedienen lassen. Große Firmen vorzugsweise aus den Branchen Mode, Kosmetik, Alkohol und Lifestyle mieten zudem bis ins benachbarte Palm Springs Häuser und Hotels an und richten opulente Partys aus, die mit Dutzenden Wer-mit-wem-Fotos später in bunten Illustrierten und Internetportalen ihren Niederschlag finden. Weil sich in Coachella die jüngeren Generationen auch äußerlich auf die hippiesken Spuren von Woodstock begeben, haben Firmen wie H&M eigene Modelinien im Coachella-Look entwerfen lassen. Zentraler Trend passend zum Wüstenambiente: Erdmännchen-Farben.

Deutsche Stars beim Coachella

Und auch deutsche Stars pilgern immer häufiger zum begehrten Festival – und posten ihre Schnappschüsse in sozialen Netzwerken. 2016 mit dabei: Sängerin Lena Meyer-Landrut, die ehemalige „Germany’s next Topmodel“-Siegerin Stefanie Giesinger oder auch GZSZ-Schauspielerin Janina Uhse.

Wem die Anreise für den zweiten Teil des Festivals nächste Woche zu kurzfristig ist, dem sei zweierlei geraten: Im Internet können die Konzerte auf drei verschiedenen Live-Stream-Kanälen verfolgt werden. Vom 7. bis 9. Oktober wird dann der Rock-Olymp auf den Boden von Coachella geholt: Paul McCartney, Rolling Stones, Roger Waters, Neil Young, The Who und Bob Dylan – alle zusammen an drei Tagen. Die Wüste lebt.