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Bundesmedienball serviert Crémant und Gemüsedöner

Der Bundesmedienball ist am Freitagabend in die zweite Runde gegangen und hat sich wieder mit Witz, Augenzwinkern und erstmals politischem Engagement vom Platzhirsch, dem Bundespresseball, abgesetzt. Das historische Ballhaus Berlin an der Chauseestraße in Mitte bot mit seinem roten Plüsch und seiner Nähe zu Wedding das richtige Ambiente zwischen Nostalgie und Realität. An der Bar wurden Cocktails namens „Gauck“ (Bourbon, Angostura Bitter und Ginger Ale) angeboten, statt Austern gab es Gemüsedöner, statt Champagner wurde Crémant gereicht und die Tickets kosteten rund 100 Euro – und damit nur einen Bruchteil der Karten für den Bundespresseball.

Vor der Eröffnung des zweiten Bundesmedienballs wurde erstmals der „Raif Badawi Award for courageous journalists“ verliehen. Zur Erinnerung: Der saudi-arabische Blogger Badawi wurde wegen freier Meinungsäußerung zu zehn Jahren Haft und zu 1000 Peitschenhieben verurteilt. Das Grußwort sprach die ehemalige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. „Leider sieht es in vielen Ländern nicht gut mit der Pressefreiheit aus“, erklärte sie. Preisträger wurde der marokkanische Journalist Ali Anouzla. „Raif ist der einzige, der diesen Preis wirklich verdient hat“, sagte Anouzla bescheiden. Überreicht wurde die Trophäe von Badawis Ehefrau Ensaf Haidar. „Heute habe ich das Gefühl, er ist bei mir“, sagte sie.

Der Übergang zum ausgelassenen Teil des Abends fiel danach zwar etwas schwer, doch die Künstler rissen das Publikum mit. Hauptact war die Berliner Erfolgsband Culcha Candela, die mit Dancehall, Reggae und Pop zu begeistern wusste. Große Konzerthallen füllt sonst auch Helmut Zerlett, der als Begleitmusiker der Harald Schmidt-Show Kultstatus erreicht hat und für beschwingte Unterhaltung sorgte. Abgerundet wurde der Abend von Freddy Fischer & his Cosmic Rock­time Band, die Seventies Soul und Funk mit Schlager vereint und die 400 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Medien zum Tanzen brachten.