Hamburg

Mehr Polizeieinsätze in Flüchtlingslagern

Derzeit sind mehr als 17.000 Asylbewerber dort untergebracht. Beamte im Oktober 360-mal gerufen, 26 Schlägereien aktenkundig

Hamburg. Die Zahl der Polizeieinsätze in den Hamburger Erstaufnahmeeinrichtungen (ZEA) für Flüchtlinge steigt weiter deutlich an. Allein im Oktober wurde die Polizei zu 360 Einsätzen gerufen (im September waren es rund 270), 26 Schlägereien sind aktenkundig geworden. Das geht aus der Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Dennis Gladiator hervor.

Allerdings ist zu berücksichtigen, dass auch die Zahl der Flüchtlinge bis Ende Oktober noch einmal deutlich zugenommen hat – nach Angaben der Ausländerbehörde befinden sich aktuell mehr als 17.000 Schutzsuchende in den ZEA der Stadt. Analog zur Belegungsgröße der Einrichtungen gab es die meisten Probleme an der Schnackenburgallee, der Harburger Poststraße, der Dratelnstraße und am Hörgensweg. Insgesamt ist die Polizei damit seit Anfang Januar rund 1400-mal in die 31 bestehenden oder bereits geschlossenen ZEA gerufen worden. Anlass für die Einsätze sind unter anderem Diebstähle, Streitigkeiten zwischen den Bewohnern, Feueralarm, aber auch Selbsttötungsversuche und Sexualdelikte, wobei es sich bei Letzteren laut Polizeisprecher Jörg Schröder vorwiegend um Belästigungen handelt.

Die Zahl der Schlägereien bewegt sich indes weiter auf hohem Niveau. Allein im September ereigneten sich 34 der im laufenden Jahr gezählten 81 großen Schlägereien.

Wie schon im Vormonat krachte es zwischen den Flüchtlingen besonders häufig in der ZEA Bargkoppelstieg. Auch am Hörgensweg entluden sich Konflikte zwischen den Bewohnern gewalttätig. Jeweils dreimal musste die Polizei ausrücken, um in den beiden Unterkünften Schlägereien zu schlichten. Solche Einsätze binden regelmäßig zahlreiche Kräfte. Zu einer Schlägerei am 6. Oktober in der ZEA Dratelnstraße rückten 30 Streifenwagen aus, die jeweils mit zwei Beamten besetzt sind.

Selbst wenn es nur darum geht, eine Eskalation zu verhindern, ist der Aufwand enorm. So wurde die Polizei zum Albert-Einstein-Ring am 19. und 20. Oktober dreimal wegen Streitigkeiten unter den Bewohnern gerufen, 26 Streifenwagen waren im Einsatz.

Häufig entzünden sich die Streitigkeiten an scheinbaren Banalitäten, was vor allem der angespannten Unterbringungssituation in den überfüllten Unterkünften geschuldet ist; mal gibt es Zoff um die Essensausgabe, mal um die Bad- oder Toilettenbenutzung. Am Dienstag ging einer Auseinandersetzung zwischen Flüchtlingen aus Eritrea und dem Kosovo in der ZEA Drateln-straße ein Streit um eine Zigarette voraus. Gerade noch rechtzeitig konnte die Polizei eine Eskalation verhindern.

„Die Polizei muss personell schnell verstärkt werden, um die steigende Zahl der Einsätze in den Zentralen Erstaufnahmen bewältigen zu können“, fordert Gladiator. „Zumal auch die dort eingesetzten Beamten an anderer Stelle fehlen.“