Hamburg

Claude Debussy grandios ins Heute übertragen

„Pelléas et Mélisande“ erlebte eine kongeniale Aufführung im Jungen Forum Musik +Theater

Hamburg. Die Not hat ein Ende, das Junge Forum Musik + Theater hat ein neues Quartier. Mit einer gelungenen Inszenierung von Claude Debussys „Pelléas et Mélisande“ wurde am Donnerstag die neue Spielstätte für den Opernnachwuchs der Hochschule für Musik und Theater eröffnet. Bis die Renovierung der Hochschulgebäude in der Milchstraße abgeschlossen ist, gehen die Projekte des Studienganges Musiktheaterregie nun im TheaterQuartier in der Gaußstraße 190 über die Bühne.

Wie man den neuen Raum ins rechte Licht rückt, bewiesen die Bühnenbildnerin Lani Tran-Duc und der Videokünstler Simon Jannsen. In Debussys Oper ist alles in ein mystisches Halbdunkel getaucht, alles dämmert und verfällt. Bei der Uraufführung spielte man das Stück hinter einem Gazeschleier. Tran-Duc und Jannsen gelingt derselbe Effekt mit ein wenig Trockeneisnebel, einem Scheinwerfer auf der Bühne, der den einen Glücksmoment der Liebenden in einen Strahlenkokon hüllt, und flimmerigen Lichtbildern wie aus Urgroßvaters Zeiten. So schaffen sie mit minimalen Mitteln eine dem Werk kongeniale Spukhaus- und Zauberwaldatmosphäre. Grandios.

Die Regisseurin Luise Kautz hatte zuletzt mit einer lustvoll-frechen Demontage von Mozarts „Entführung aus dem Serail“ auf sich aufmerksam gemacht; bei „Pelléas et Mélisande“ ist ihr Regieansatz nun nicht annähernd so ausgeflippt, aber dafür voll ausgereift. Kautz verpflanzt den Stoff aus einem „ungefähren Mittelalter“ ins großbürgerliche Milieu des Fin de Siècle. König Arkel wird zum Fabrikanten. Von ihrem Zauber als Bewohner einer schattigen Märchenwelt büßen die Charaktere so zwar einiges ein, dafür werden sie als Abziehbilder bürgerlicher Existenzen umso fassbarer.

Mit Estelle Lefort als Mélisande, Robert Elibag-Hartog (Pelléas), Johannes Leuschner (Golaud), Yannik Spanier (Arkel) und Soomi Hong (Gene­viève) sind alle Hauptrollen sehr gut besetzt. Die heikle Aufgabe, Debussys nuancierte Klangchemie auch in einer auf Kammerorchesterformat reduzierten Version zu bewahren, gelang dem Orchester unter Vladimir Yaskorski im Laufe des Abends immer besser.

Weitere Vorstellungen: 14./15./18./20.11., jeweils um 19.30 Uhr, Gaußstraße 190