Nach Schützenfest

Schock, Trauer und Ursachenforschung nach Böllertod

Kerzen und zwei Schlagzeug-Stöcke sind vor dem Tor zum Gelände der Schützenhalle Marsberg im Sauerland (Nordrhein-Westfalen) niedergelegt worden

Kerzen und zwei Schlagzeug-Stöcke sind vor dem Tor zum Gelände der Schützenhalle Marsberg im Sauerland (Nordrhein-Westfalen) niedergelegt worden

Foto: Bernd Thissen / dpa

Drei Böllerschüsse, dann sollte das Schützenfest in Marsberg beginnen. Aber die Kanonen explodierten, der Schützenkönig stirbt.

Marsberg. Schockiert ist man im Sauerland, betroffen und auch ratlos: Denn nach dem Unfalltod eines Schützenkönigs im Sauerland ist noch nicht klar, ob ein Materialfehler der geborstenen Böllerkanonen das tragische Unglück am Sonnabend ausgelöst oder ob einer der Schützen die Kanonen falsch benutzt hat. Die Staatsanwaltschaft in Arnsberg sucht einen geeigneten Experten, der die beschlagnahmten Kanonen untersucht.

Ein Rückblick: Auftakt des Schützenfestes, mit Böllern soll der Startschuss für die Feier gegeben werden. Da passiert es: Teile der Geschütze fliegen nach hinten weg, eines trifft den 30 Jahre alten Schützenkönig in den Bauch. Er stirbt kurz darauf im Krankenhaus. Die anderen etwa 60 Teilnehmer und Zuschauer der Zeremonie bleiben zurück, schockiert.

Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft in Arnsberg wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen drei Mitglieder des historischen Schützenkommandos eines Marsberger Schützenvereins. „Ich will wissen, ob Materialermüdung oder ein Fehler der Kanoniere das Unglück auslöste“, sagte Staatsanwalt Klaus Neulken. Der Gutachter soll das klären.

Die Kanonen könnten mit zu viel Schießpulver befüllt oder zu fest bestopft worden sein, so dass der Schuss nach hinten losging. Außerdem soll die Leiche des 30-Jährigen obduziert werden. Geduld ist gefragt: Neulken geht davon aus, dass es Wochen dauern wird, bis die genaue Ursache feststeht.

Zu viel Schießpulver?

Die drei Männer der Schützenbruderschaft Sankt Peter und Paul, die bei den benachbarten Sankt-Magnus-Schützen für einen lautstarken Schützenfest-Auftakt sorgen sollten, sind nach Auskunft ihres Stadthauptmanns Siegbert Zelder tief betroffen. „Die sind fix und fertig“, sagte er am Montag. Und auch er selbst ist mitgenommen: „Der Schock sitzt tief. Dass beide Kanonen genau an der dicksten Stelle geborsten sind, ist für uns das größte Rätsel.“

Er wies Spekulationen zurück, es könne zu viel Schießpulver benutzt worden sein. „Unsere Kanoniere sind sehr erfahren und werden regelmäßig geschult.“ 1998 wurden die Kanonen gegossen, nach historischem Vorbild und von Fachleuten, betont er. Vor zwei Jahren seien sie nochmals beschossen worden, genau nach Vorschrift und vom Amt. „Dabei werden die Kanonen alle fünf Jahre mit der vierfachen Menge der üblichen Ladung gezündet. Dabei ist nichts passiert.“

Am Sonnabend hatte der amtierende Schützenkönig den ersten von drei Böllerschüssen als „Ehrenschuss“ selbst abgegeben. Dazu drückte er nach Auskunft von Neulken „publikumswirksam“ einen Zünder mit einem T-Griff. „Die beiden anderen Kanonen wurden vier Sekunden später ferngezündet und explodierten. Ein rückwärtiges Metallteil traf den 30-Jährigen seitlich in den Bauch“, sagte Neulken. Der Mann habe etwa acht Meter von den Kanonen entfernt gestanden. Weitere Teile der beiden explodierten Kanonen durchschlugen eine Scheibe und beschädigten zwei Autos. „Es wurden noch Teile in 80 bis 100 Metern Entfernung vom Unglücksort gefunden“, sagte Neulken.

„Da macht man sich ein Bild, welche Gewalt dahinter steckt“, sagte Zelder. Bislang habe er gedacht, das Risiko des Böllerns sei tragbar, wenn man sich an alle Sicherheitsvorschriften halte. Unfälle habe es nur durch menschliche Fehler gegeben. Den schließe er aber für seine Vereinskollegen aus. Doch nun denke er über den Sinn und das Risiko des Böllerns nach: „Und vermutlich werden das auch viele andere Vereine tun.“