„The Interview“

Sony will umstrittene Nordkorea-Satire doch veröffentlichen

Das US-Filmstudio prüft, ob der umstrittene Film auf einer Online-Plattform nun doch gezeigt werden kann. Die US-Regierung fordert von Nordkorea indes eine finanzielle Entschädigung für Sony.

New York. Das Filmstudio Sony Pictures will die zunächst wegen Terror-Drohungen abgesagte Nordkorea-Satire „The Interview” doch noch auf irgendeine Art und Weise veröffentlichen.

„Wir wollen immer noch, dass die Öffentlichkeit diesen Film sieht”, sagte der Chef von Sony Entertainment, Michael Lynton, dem US-Sender CNN. Seine Firma prüfe im Moment alle Möglichkeiten dafür und ziehe beispielsweise eine Veröffentlichung auf der Online-Plattform YouTube oder Video-on-Demand in Betracht. Eine endgültige Entscheidung darüber gebe es aber noch nicht. In dem Film bekommen zwei US-Journalisten den Auftrag, Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bei einem Interview zu töten.

Den Film gemacht zu haben, bereue er nicht, sagte Lynton weiter. „Ich würde den Film wieder machen und zwar aus den selben Gründen, warum wir ihn gemacht haben. Es ist eine lustige Komödie und eine politische Satire. Mit dem Wissen, was wir jetzt haben, hätten wir aber vielleicht ein paar Dinge ein wenig anders gemacht.”

Das Studio hatte den eigentlich für den 25. Dezember geplanten Filmstart in den USA nach einem Hackerangriff und Terrordrohungen abgesagt. Die US-Regierung macht Nordkorea für den Hackerangriff verantwortlich und fordert nun eine entsprechende Entschädigungs-Zahlung an das Film-Unternehmen Sony Pictures Entertainment. „Wenn sie hier behilflich sein wollen, dann sollten sie ihre Schuld eingestehen und Sony entschädigen”, sagte die Vize-Außenamtssprecherin der USA, Marie Harf, am Montag vor Journalisten in Washington.

US-Präsident Barack Obama hatte am Sonntag dem Nachrichtensender CNN gesagt, Nordkorea solle wegen der Hacker-Attacke auf Sony möglicherweise nach sechs Jahren wieder auf die Liste der Terrorunterstützer-Staaten gesetzt werden. Die USA hatten Nordkorea 2008 von der Liste der Terrorunterstützer gestrichen. Zur Zeit stehen dort der Iran, der Sudan und Syrien sowie Kuba. Havanna soll aber nach der jüngsten Aussöhnungsoffensive zwischen beiden Staaten auf Wunsch Obamas von der Liste genommen werden.

Pjöngjang hat den Vorwurf, hinter der Cyberattacke auf Sony zu stecken, als „grundlos” zurückgewiesen. Die Anschuldigungen aus Washington lösten bei der Regierung Nordkoreas heftiges Säbelrasseln aus. Streitkräfte und Volk stünden „zur kriegerischen Konfrontation auf allen Gebieten - auch dem Cyberkrieg - bereit, um Festungen zu sprengen”, erklärte der Nationale Verteidigungsausschuss (NDC) am Sonntag. Die von Obama angekündigte „angemessene Reaktion” werde „durch die härtesten Gegenaktionen auf das Weiße Haus, das Pentagon und das ganze Land bei weitem übertroffen.”