Indien

Tausende Gläubige kämpfen für ihren Guru gegen die Polizei

Der hinduistische Guru Baba Rampal soll festgenommen werden, Tausende seiner Anhänger liefern sich für ihn mit der Polizei erbitterte Kämpfe. Bilanz: Sechs Tote, 200 Verletzte.

Neu Delhi. Tagelang haben in Indien Tausende Anhänger die Festnahme ihres spirituellen Anführers verhindert. Als die Polizei am Dienstag das weitläufige Gelände des Gurus Baba Rampal mit einem Großaufgebot stürmte, wurden nach offiziellen Angaben 200 Menschen verletzt. Die Anhänger verteidigten den stark befestigten Ashram mit Steinen, Schusswaffen und sogar kleinen Säurebeuteln und Molotowcocktails. Die Polizei ging mit Baggern, Tränengas und Schlagstöcken gegen die Aufständischen vor.

Sechs Tote

In dem von der indischen Polizei belagerten Meditationszentrum des Gurus sind sechs Menschen ums Leben gekommen. Anhänger von Guru Baba Rampal hätten den Behörden am Mittwoch vier Frauenleichen übergeben, sagte der Generalsdirektor der Polizei im Staat Haryana, Shriniwas Vashisht. Eine weitere Frau und ein 18 Monate altes Kind starben in einer Klinik, nachdem sie das weitläufige Gelände verlassen hatten. Die Todesursache war in allen Fällen unklar. Eine Obduktion wurde angeordnet.

Die Polizei hatte am Dienstag versucht, den Ashram zu stürmen, um den 63-jährigen Rampal zu verhören. Er hatte wiederholt gerichtliche Vorladungen zur Befragung in einem Mordfall ignoriert. Tausende seiner Anhänger wehrten den Angriff ab und bekämpften die Polizisten mit Pistolen, Schlagstöcken und Steinen. Bei den Auseinandersetzungen seien fast 200 Menschen verletzt worden, hieß es von der Polizei.

Menschliche Schutzschilde

Vashisht sagte, Tausende Menschen seien in dem Ashram gegen ihren Willen festgehalten worden und am Mittwoch aus dem Gelände geflohen. Immer noch seien nach Schätzungen aber rund 5000 Menschen dort und würden auch als menschliche Schutzschilde missbraucht. „Sie wissen, dass wir nicht zulassen werden, dass unschuldige Frauen und Kinder ins Kreuzfeuer kommen und sie nutzen das aus“, sagte Vashisht.

Der Einsatz der Polizei sei erst zu Ende, wenn Rampal festgenommen sei, sagte er weiter. Vorerst wolle man aber darauf warten, dass die im Aschram lebenden Menschen freiwillig herauskämen. Auch Strom und Wasser wurden abgestellt.

43 Vorladungen ignoriert

Seit 2010 hat Rampal 43 Gerichtsvorladungen ignoriert. Eine letzte Frist hatte der 63-jährige Guru am Montag verstreichen lassen. Ihm und 38 anderen wird vorgeworfen, für den Tod eines Dorfbewohners verantwortlich zu sein, der bei einer Auseinandersetzung seiner Anhänger mit einer anderen Gruppe im Jahr 2006 ums Leben kam. Gegen Zahlung einer Kaution wurde Rampal auf freien Fuß gesetzt. Die Behörden zogen das aber zurück, als dessen Anhänger im Juli einen Gerichtssaal stürmten und Anwälte bedrohten.

Gurus in Indien haben teilweise mehrere Millionen Anhänger. Allerdings gab es auch einige Skandale im Zusammenhang mit diesen selbst ernannten Heiligen, weil sie Anhänger ausgebeutet haben sollen.