Mittelmeer

Flüchtlinge bei Überfahrt nach Italien erstickt

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30 Leichen wurden an Bord eines Schiffes entdeckt. Deutsche Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz will mehr legale Einreisemöglichkeiten.

Rom/Berlin. Bei der Rettung von Hunderten Bootsflüchtlingen vor der italienischen Küste sind 30 Leichen entdeckt worden. Sie hätten sich unter mehr als 600 Menschen an Bord eines Schiffes vor Sizilien befunden, teilten die Behörden nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa in der Nacht zum Montag mit. Vermutlich seien sie auf dem voll besetzten Boot erstickt.

Ohne diesen Rettungseinsatz sind seit Freitag nach Angaben der Behörden insgesamt 1654 Menschen von mehreren aus Afrika kommenden Booten gerettet worden. In diesem Jahr kamen bereits Zehntausende Migranten, vor allem auch Syrer, nach Italien. Im gesamten Jahr 2013 waren es knapp 43.000.

Unterdessen hat sich die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), für mehr legale Einreisemöglichkeiten für Flüchtlinge ausgesprochen. Es müsse überlegt werden, ob der weiterhin große Bedarf an Arbeitskräften in Europa nicht dazu führen kann, qualifizierten Menschen das Arbeiten hierzulande zu ermöglichen, sagte die Hamburgerin Özoguz in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

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Özoguz ergänzte, dies könne auch ein Aspekt der Entwicklungspolitik werden. „Aus der Erfahrung wissen wir, dass viele Menschen mit dem Geld, das sie hier verdienen, ihre Familien im Herkunftsland unterstützen“, erklärte die SPD-Politikerin. Kehrten sie eines Tages zurück, dann könnten sie zudem mit ihrer Erfahrung und zusätzlichen Qualifikationen wichtige Impulsgeber in ihren Ländern werden.

„Die Menschen brauchen die Chance, sich selbst versorgen zu können. Wir brauchen Arbeitskräfte“, sagte Özoguz. Zudem müsse man bedenken, dass diejenigen, die derzeit etwa aus Spanien oder Portugal wegen der angespannten Wirtschaftslage nach Deutschland kommen, schnell wieder gehen könnten, wenn es ihren Ländern besser gehe.

Die Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration wird am Dienstag beim Flüchtlingsschutzsymposium von Kirchen und Nichtregierungsorganisationen erwartet. Die Veranstaltung wird am Montag mit einer Rede von Bundespräsident Joachim Gauck eröffnet.

Mit Blick auf die Kriege und Konflikte etwa in Syrien, Nigeria, Somalia und dem Irak sagte Özuguz, für die deutsche Flüchtlingspolitik gebe es derzeit „vielfältige Herausforderungen, die gleichzeitig gemeistert werden müssen“. Die Bundesregierung habe diese Entwicklung und die damit einhergehende Steigerung der Flüchtlingszahlen nicht voraussehen können.

Özoguz räumte aber ein: „Wir haben es aufgrund der vergleichsweise niedrigen Fallzahlen der vergangenen Jahre schleifen lassen, darüber nachzudenken, wie wir auf Herausforderungen wie die jetzige angemessen und schnell reagieren können.“ Das gelte besonders für Unterkünfte, die jetzt kaum mehr ausreichend zur Verfügung stünden. „Das wurde von allen Seiten vernachlässigt“, sagte Özoguz.

( (epd/dpa/HA) )