Peggy-Prozess

Früherer Anwalt von Ulvi K. erhebt neue schwere Vorwürfe

Der neu aufgerollte Prozess um das Verschwinden der kleinen Peggy dauert an. Der ehemalige Anwalt des Angeklagten Ulvi K. hat erneut schwere Vorwürfe gegen die Ermittler erhoben.

Bayreuth. Im neu aufgerollten Prozess um das Verschwinden der kleinen Peggy in Oberfranken hat der frühere Verteidiger des Angeklagten Ulvi K. weitere Vorwürfe gegen die damaligen Ermittler erhoben. „Nach meinem Gefühl wurden Termine für Vernehmungen auch absichtlich auf Tage gelegt, an denen ich keine Zeit hatte oder im Urlaub war“, sagte er am Dienstag vor dem Landgericht Bayreuth. Er sei außerdem vom Leiter der Soko unter Druck gesetzt worden.

Die Verteidigung hatte beim Prozessauftakt den damaligen Ermittlern Foltermethoden bei der Befragung von Ulvi K. vorgeworfen. Der Soko-Chef sagte dagegen: „Der einzige, der ihn bei den Verhörterminen angeschrien hat, war sein damaliger Rechtsanwalt.“

Peggy verschwand am 7. Mai 2001 im oberfränkischen Lichtenberg spurlos. Ihre Leiche wurde nie gefunden. Im Herbst 2002 legte Ulvi K. überraschend ein Geständnis ab – als sein Anwalt nicht dabei war. Von diesem Geständnis gibt es zudem nur ein Gedächtnisprotokoll der Ermittler. 2004 wurde Ulvi K. in einem Indizienprozess wegen Mordes an der Schülerin zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Geständnis war der Tat-Rekonstruktion der Ermittler verblüffend ähnlich, was aber erst Jahre nach der Verurteilung bekanntwurde – deshalb wird der Fall neu aufgerollt.

Zudem wird inzwischen auch gegen neue mögliche Verdächtige ermittelt. Eine Spur brachte die Ermittler auf einen Mann aus Halle. Der 29-Jährige sitzt derzeit wegen sexuellen Missbrauchs seiner Tochter in Haft. Er habe eingeräumt, sich auch an seiner Nichte mehrmals vergangen zu haben. Auffällig daran ist, dass die Nichte im gleichen Haus wie Peggy wohnte.