Wiederaufnahmeverfahren

Ex-Chef-Ermittler im Fall Peggy verteidigt Vorgehen gegen Ulvi K.

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Ist das Geständnis im Mordfall Peggy unter Foltermethoden zustande gekommen? Nein, sagt der frühere Soko-Leiter. Seine Darstellung der Ereignisse hört sich ganz anders an als die Version des Verteidigers.

Bayreuth. Im erneuten Prozess gegen den geistig Behinderten Ulvi K. wegen Mordes an der neunjährigen Peggy hat der damalige Chef-Ermittler Vorwürfe der Verteidigung zurückgewiesen. „Wir haben sehr viel Wert daraufgelegt, eine angenehme Verhörsituation zu schaffen“, sagte der Zeuge Wolfgang Geier am Freitag vor dem Landgericht Bayreuth.

Die Verteidigung hatte beim Prozessauftakt am Donnerstag den damaligen Soko-Ermittlern Foltermethoden bei der Befragung von Ulvi K. vorgeworfen. Dagegen sagte Geier: „Der einzige, der ihn bei den Verhörterminen angeschrien hat, war sein eigener Rechtsanwalt.“

Ulvi K. war im April 2004 als Mörder Peggys zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Am 7. Mai 2001 war die Schülerin im oberfränkischen Lichtenberg spurlos verschwunden. Eine Leiche des Mädchens wurde nie gefunden. Der Fall wird neu aufgerollt, weil ein Belastungszeuge eingeräumt hatte, beim ersten Prozess falsch ausgesagt zu haben. Außerdem sollen die Ermittler Ulvi K. bei seinem damaligen Geständnis beeinflusst haben.

Geier verteidigte die Ermittlungen gegen Ulvi K.: Der Gastwirtssohn habe zuvor bereits Kinder sexuell missbraucht. „Und der Tatverdächtige hielt sich nachweislich in der Nähe des Marktplatzes auf, was er vorher bestritten hatte.“

Video mit Tatrekonstruktion gezeigt

Der Vorsitzende Richter Michael Eckstein ließ im Gerichtssaal einen Film vom Juli 2002 mit der Tatrekonstruktion der Ermittler zeigen. Ulvi K. ist darin auf einer Sitzbank am Marktplatz von Lichtenberg zu sehen. „Hier habe ich auf Peggy gewartet, um mich bei ihr dafür zu entschuldigen, was passiert ist“, spricht er in die Kamera. Als der Ermittler von ihm wissen will, was passiert sei, antwortet Ulvi K.: „Ich war mit ihr im Bett. Die Peggy wollte das. Hinterher hat sie geweint.“ An einer Gummipuppe zeigt der damals 24-Jährige vor laufender Kamera, wie er Peggy getötet habe. „Ich habe danach Herz und Puls bei ihr gefühlt, sie mit Ästen abgedeckt und danach eine geraucht.“

Ein Rechtsbeistand ist auf den Aufnahmen nicht an der Seite von Ulvi K. zu sehen. Nach den Angaben von Chef-Ermittler Geier hatte der Anwalt seinem Mandanten schon vorher die Anweisung gegeben: „Wenn Sie geholt werden, gehen Sie mit und machen auch alles mit.“ Diesen Satz habe der Jurist auch in sein Diktiergerät gesprochen.

Der neue Verteidiger Michael Euler hatte am Donnerstag erklärt, das Geständnis von Ulvi K. sei eine reine Fantasiegeschichte gewesen. Er habe unter dem Druck der Verhörmethoden gestanden.

Der Fallanalytiker Alexander Horn erklärte im Zeugenstand, dass er für die Ermittler ein Tathergangsszenario entworfen hatte. „Ich sollte ein denkbares Szenario entwickeln, was mit Peggy passiert sein könnte.“ Der vom Bundeskriminalamt zertifizierte Experte kam zu dem Ergebnis, Peggy könnte missbraucht und vom Täter wenige Tage später getötet worden sein, um die Tat zu vertuschen. Das Geständnis von Ulvi K. war diesem Szenario verblüffend ähnlich. Von der sogenannten Tathergangshypothese wussten Gericht und Ermittler im Jahr 2004 nichts – auch deswegen muss der Fall nun neu aufgerollt werden.