Mordfall oder Souvenir aus Afrika – Rätsel um Dachboden-Mumie

Diepholz. Seit einem Monat dreht sich in der Familie von Lutz Wolfgang Kettler, 53, im niedersächsischen Diepholz alles um eine rätselhafte Mumie. Sein Sohn, 10, fand Anfang August den Sarkophag in einer Kiste im Haus der Großeltern auf dem Dachboden. Neben anderen Gegenständen war auch eine Totenmaske dabei. Eine Computertomografie der Mumie zeigt die Grundsubstanz eines menschlichen Skeletts mit nahezu intaktem menschlichen Schädel, sagt Kettler. „Aber es bleiben Fragen über Fragen.“

Auch Polizei und Staatsanwaltschaft interessieren sich inzwischen für die Dachboden-Mumie. Ermittelt wird aber noch nicht. „Wir warten ab, bis wir wissen, wie alt die Knochen sind. Wenn sie mehrere Hundert Jahre alt sind, bleibt es eine Mumie, und es wird nicht ermittelt“, sagte Polizeisprecher Frank Bavendiek am Dienstag. Die Mumie wird weiter untersucht. Sollte sich herausstellen, dass die Knochen aus jüngerer Zeit sind und möglicherweise ein Mord dahintersteckt, sehe sie Sache anders aus: „Mord verjährt nicht.“

Die Mumie und die anderen Gegenstände hatte Kettlers Vater in den 1950er-Jahren aus Nordafrika mitgebracht. Sein Vater war damals mit einem Schulfreund in Afrika, der die Sachen auch erworben haben soll, sagt Kettler. Fragen kann er nicht mehr: „Das ist für mich ein Problem, es lebt keiner mehr.“ Er habe mit seinem Vater nie über die Sachen auf dem Dachboden gesprochen. Der Zahnarzt hat jetzt einen neuen Ansatz für seine Recherchen. „Es gibt aus der Zeit Briefe von meinem Vater an seine Mutter.“ Der Nachlass seiner Großmutter wiederum lagere bei seiner Tante. Er werde diese Briefe holen und lesen – vielleicht kläre sich dann das Geheimnis, hofft er. „Eigentlich wollte ich nur mein normales Leben weiterführen.“