Verseuchtes Futtermittel

Schimmel-Mais auf dem Weg in die USA

Foto: Ingo Wagner / dpa

Wochenlang sorgte nach Deutschland importierter Schimmel-Mais für Schlagzeilen, nun ist das verseuchte Futtermittel auf dem Weg in die USA. Dort darf der Mais an Tiere verfüttert werden, weil andere Grenzwerte gelten als hierzulande.

Brake/Bremen. Fast ein halbes Jahr nach dem Skandal um Schimmelpilz-Mais ist das verseuchte Futtermittel nun wieder weg aus Deutschland. Die etwa 35.000 Tonnen Mais seien per Schiff auf dem Weg in die USA, teilte eine Sprecherin des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit. Das Schiff verließ in der Nacht zum Montag den Hafen in Brake. Damit endet das monatelange Gerangel um die Entsorgung des mit dem krebserregenden Schimmelpilzgift Aflatoxin B1 belasteten Futtermittels.

Im Februar waren Höfe in ganz Deutschland, darunter rund 4400 in Niedersachsen, mit hochgiftigem Mais aus Serbien beliefert worden. Futtermittelhersteller hatten mindestens 10.000 Tonnen davon zu Futter für Schweine, Rinder und Geflügel verarbeitet. Die Behörden verboten den Landwirten daraufhin für einige Wochen den Verkauf von Fleisch und Milch. Weitere 35.000 Tonnen Mais wurden sichergestellt - 25.000 Tonnen in Bremen, 10.000 Tonnen in Brake.

Ein Hamburger Getreidehändler hatte den Mais importiert. Vor ein paar Wochen fand er einen Käufer in den USA, weil dort andere Grenzwerte für Tierfutter gelten. Das LAVES dagegen hatte das Futtermittel für einen Verbrauch in Deutschland weiter gesperrt. Dem Ausfuhrantrag in die USA stimmten die Behörden aber zu, was Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) bedauert hatte. Er hätte den verseuchten Mais lieber vernichten lassen, konnte den Antrag jedoch nicht ablehnen. Dafür habe es "keinen rechtlichen Ermessensspielraum" gegeben.

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hatte Anfang Juli Strafanzeige gegen Unbekannt bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg gestellt. Für die Landwirte soll eine volle Entschädigung durch die Futtermittellieferanten erreicht werden. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte am Montag den Eingang der Anzeige. Sie sei an die Kollegen der Hamburger Behörde weitergeleitet worden.

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