Risse missachtet – mindestens 90 Tote bei Hauseinsturz

Dhaka. Gegen neun Uhr, als viele Arbeiterinnen am Platz waren und die Geschäfte geöffnet hatten, knallte es plötzlich, und das Gebäude stürzte in sich zusammen: Rund 90 Menschen sind in Bangladesch beim Einsturz eines achtstöckigen Hauses mit Läden und Textilfabriken in den Tod gerissen worden. Mehr als 700 wurden verletzt.

Rettungskräfte von Armee und Feuerwehr suchten mit Baggern und Betonschneidern nach weiteren Opfern. Anwohner gruben mit bloßen Händen in dem gewaltigen Trümmerberg. In dem Haus befanden sich im Erdgeschoss und in der ersten Etage zahlreiche Geschäfte und eine Bankfiliale, im zweiten bis sechsten Stock nähten Textilarbeiter, wie Rettungskräfte berichteten. Die meisten der Toten sind nach offiziellen Angaben Frauen, die in den vier Fabriken arbeiteten. Bilder zeigten, dass das Betongebäude im Gebiet Savar, etwa 20 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Dhaka, im hinteren Teil fast ganz in sich zusammengefallen war.

Überlebende berichteten, dass das Haus Rana Plaza bereits am Dienstag Risse gezeigt habe und sie deswegen nicht mehr darin arbeiten wollten. „Aber die Manager der Fabrik zwangen uns“, sagte die 29 Jahre alte Textilarbeiterin Aklima Begum nach dem Unglück. Innenminister Muhiuddin Khan Alamgir sagte Medien, das Gebäude könnte wegen fehlerhafter Bauweise eingestürzt sein. Der Direktor der zuständigen Polizeieinheit beschuldigte die Fabrikbesitzer, sie hätten Warnungen der Polizei nicht beachtet. „Sie haben nicht auf uns gehört.“ Einer der Inhaber sagte hingegen, der Besitzer des Hauses habe ihnen grünes Licht gegeben. Er habe behauptet, das Haus sei von einem Techniker überprüft worden.