Angebliche Wunderheilerinnen ergaunern eine Million Euro

Darmstadt. Teufelsaustreibungen, Drohungen am laufenden Band, immer wieder Geldforderungen: Zwei angebliche Wunderheilerinnen sollen von einer 49-Jährigen Frau aus Bad Homburg eine Million Euro ergaunert haben - mit Gänsehaut-Geschichten über Böses, das sie und ihre Familie bedrohe. Nur Geld könne helfen, lautete die Botschaft. "Es war Horror und Psychoterror", berichtete das Opfer am Donnerstag vor dem Landgericht Darmstadt unter Tränen. "Aus Verzweiflung und purer Angst habe ich unser ganzes Vermögen gegeben."

Die mutmaßlichen Wunderheilerinnen, 27 und 28 Jahre alt, sind wegen Betruges angeklagt. Sie sollen die Ehefrau und Mutter überzeugt haben, dass der Familie Unheil drohe - und düstere Rituale inszeniert haben, um das Ungemach abzuwehren. Zunächst sei sie zu "furchtbaren Ritualen" eingeladen worden, mit geweihten Kerzen, Madonnenbildern - und einem rohen Ei, aus dem plötzlich etwas Scheußliches herausgekommen sei, "so was wie Gedärme oder Katzenkotze", sagte die Zeugin, die angab, selbst spiritistisch tätig zu sein.

Diese "Reinigungen" seien schon teuer gewesen, aber schließlich hätten die Frauen auch ohne Rituale große Batzen Geld verlangt, sonst bekomme ihr Mann einen Herzinfarkt. Zweieinhalb Jahre lang, zwischen November 2009 und Mai 2012, habe sich die Tortur hingezogen, erzählt die Zeugin. "Mir kam nie der Gedanke, betrogen zu werden." Für den Prozess sind insgesamt sieben Verhandlungstage geplant.