Nach Irrflug findet ermordeter Mafiaboss letzte Ruhe in Moskau

Moskau. Bizarrer Streit um einen ermordeten Mafiaboss: Ein Charterflugzeug mit dem Sarg von Aslan Ussojan musste nach Russland zurückkehren, nachdem Georgien die Landung verweigerte. Der "König der russischen Mafia" sollte nach dem Willen der Familie in seinem Geburtsort Tiflis begraben werden, dies verbot die Führung der Kaukasusrepublik jedoch.

Die Behörden fürchteten einen "Auflauf krimineller Führer". Das Flugzeug, das in der ostukrainischen Stadt Donezk auf eine Landeerlaubnis gewartet hatte, musste am Sonnabend mit den sterblichen Überresten des 76-Jähringen nach Moskau zurückkehren. Dort wurde Opa Hassan, wie er auch genannt wurde, am Sonntag in einer Zeremonie wie im Mafiafilm beigesetzt.

Dutzende Unterweltbosse gaben ihm das letzte Geleit. Ein schwarzer Cadillac brachte den Sarg auf den streng abgeschirmten Chowanski-Friedhof im Südwesten von Moskau, wo etwa 100 Trauergäste warteten - "mit Sonnenbrillen und hochgeschlagenen Kragen". Vor dem Friedhof sorgten teure Wagen mit Chauffeur und verdunkelten Scheiben für ein Verkehrschaos. Am Rande kam es zum Handgemenge zwischen Fotografen und Leibwächtern.

Der 1937 in Tiflis geborene Ussojan war vor wenigen Tagen von einem Heckenschützen im Zentrum von Moskau vor seinem Lieblingslokal Alter Phaeton mit einem Präzisionsgewehr erschossen worden. Er galt als der einflussreichste Kriminelle auf dem Gebiet der Ex-Sowjetunion. Viele Russen fürchten nun einen neuen Gangsterkrieg um Einflussgebiete wie in den blutigen 90er-Jahren. Damals waren Hinrichtungen auf der Straße an der Tagesordnung. Bei dem Anschlag wurde auch eine Frau, 30, schwer verletzt.