Zugunglück von Hordorf

Telefonat des Lokführers als Unfallursache fraglich

Die Auswertung der Handydaten ergab, dass der Lokführer im relevanten Zeitraum nicht telefoniert hat. Aber es wurde ein DVD-Player gefunden.

Magdeburg. Vermutlich hat der wegen des tödlichen Zugunglücks von Hordorf angeklagte Lokführer zum Unfallzeitpunkt nicht telefoniert. Ein Polizist, der die Handydaten ausgewertet hatte, sagte am Donnerstag vor dem Landgericht Magdeburg, von dem Privathandy des Angeklagten habe es im relevanten Zeitraum keine Gespräche gegeben.

Von seinem Diensthandy aus habe der Mann etwa eine Dreiviertelstunde vor dem Unfall beim Stellwerk seine Abfahrt angekündigt. Um 22.27 Uhr habe er einen Anruf von seiner Firma, den Verkehrsbetrieben Peine-Salzgitter, erhalten. Deren Angaben zufolge handelte es sich dabei um ein Telefonat direkt nach dem Unfall.

Ein Anwalt der Nebenklage stellte diese Darstellung infrage, da der Unglückszeitpunkt von anderen Zeugen für 22.28 Uhr angegeben worden sei. Diese hatten sich auf aus den Lokomotiven ausgelesene Daten berufen. Allerdings sind die Uhrzeiten offenbar weder bei den Telefondaten noch bei den Daten aus den Loks geeicht.

Zudem wurde ein kleiner DVD-Player vorgelegt, der dem Angeklagten gehört hat und sich im Führerhaus befunden haben soll. In der Lok sei nach dem Unfall die Tasche des DVD-Players gefunden worden, sagte der Polizeibeamte. Nachdem der Angeklagte das Gerät ausgehändigt hatte, sei dieses untersucht worden. Darin gefundene Glassplitter deuteten darauf hin, dass der DVD-Player in der Lok gewesen sei. Ob er zum Zeitpunkt des Unfalls in Betrieb gewesen sei und der Lokführer dadurch möglicherweise abgelenkt war, könne er aber nicht sagen.

Der Angeklagte soll am 29. Januar 2011 mit seinem Güterzug zwei Haltesignale überfahren und damit auf einer einspurigen Strecke einen Zusammenstoß mit einem entgegenkommenden Personenzug verursacht haben. Bei dem Unglück starben zehn Menschen, 22 wurden verletzt. Der Lokführer muss sich seit 8. Oktober wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung, fahrlässigen Körperverletzung und Gefährdung des Bahnverkehrs vor Gericht verantworten. Weitere Verhandlungstermine sind für 8. November und 21. November geplant.

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