Felix Baumgartner

Schneller als der Schall - Mutter Eva weinte

Lesedauer: 3 Minuten
Juan Carlos Llorca

Baumgartner gelingt waghalsiger Rekordsprung. Schallmauer offenbar durchbrochen – Weltrekord: Kein Mensch von Ballon höher getragen

Roswell/USA. Felix Baumgartner hat eine einmalige Leistung vollbracht. Aus rund 39 Kilometern Höhe am Rande der Stratosphäre ist der österreichische Extremsportler zurück auf die Erde gesprungen. Nach rund neun Minuten landete der „Furchtlose Felix“ am Sonntagmorgen (Ortszeit) sicher und offenbar gesund und bei Bewusstsein auf der Erde im US-Staat New Mexico. Die Organisatoren gingen davon aus, dass Baumgartner wie geplant im freien Fall die Schallmauer durchbrechen konnte. Eine Bestätigung ist aber erst anhand der Messwerte möglich.

Seine Mutter Eva weinte Freudentränen. Bei der Landung riss Baumgartner die Arme in Siegerpose in die Höhe. „Manchmal muss man wirklich hoch hinaus, um zu sehen, wie klein wir sind“, sagte Baumgartner nach seiner Landung zu Journalisten.

Im Kontrollzentrum in Roswell brach lauter Jubel aus. Wenig später meldete der Sponsor Red Bull, Baumgartner habe eine Geschwindigkeit von 1.137 Kilometern pro Stunde erreicht. Die Daten waren den Angaben zufolge aber noch nicht offiziell bestätigt. Daher blieb zunächst ungewiss, ob Baumgartner die Schallmauer durchbrechen konnte. Sicher ist ihm indes der Weltrekord für die höchste Fahrt, die ein Mensch mit einem Ballon geschafft hat.

„Jetzt wird's ernst, Felix“, sagte Baumgarnters Mentor, der bisherige Rekordinhaber Joe Kittinger, über Funk, als er mit ihm die Checkliste zur Vorbereitung des Sprungs durchging. Wenige Minuten später war es soweit. Baumgartner hob die Hand zum Gruß kurz an den Kopf und stieß sich von der Kapsel ab.

Gut zweieinhalb Stunden zuvor war Baumgartner um 9.31 Uhr (Ortszeit, 17.31 Uhr MESZ) in einer Spezialkapsel an einem Heliumballon bis zur Stratosphäre aufgestiegen. Anvisiert war eine Höhe von 36.600 Metern. Nach zwei Stunden und zwölf Minuten war dieser Punkt erreicht. Bis sich der ehemalige Fallschirmjäger schließlich aus der Kapsel stürzte, stieg der Ballon noch auf rund 39.000 Kilometer.

Freier Fall kürzer als erwartet

Nach Plan hätte Baumgartner nach einer halben Minute in einer Höhe von 30.480 Metern Schallgeschwindigkeit von 308 Metern pro Sekunde erreichen sollen. Baumgartner zog die Leine des Fallschirms überdies früher als geplant. Somit war der freie Fall kürzer als erwartet. Die US-Raumfahrtbehörde NASA gratulierte Baumgartner über den Kurznachrichtendienst Twitter zu seinem „Rekordsprung vom Rand des Weltalls“.

Baumgartner riskierte sein Leben. Er musste in einem perfekten Winkel aus der Kapsel abspringen und hatte dabei nur sehr geringen Spielraum. Wenn er sich überschlagen hätte oder ins Trudeln gekommen wäre, hätten ihm schwerste Gesundheitsschäden wie Erblindung und sogar tödliche Verletzungen gedroht. Er war geschützt durch einen Druckanzug, einen Helm und drei Fallschirme. Ärzte, Ingenieure und weitere Helfer aus Baumgartners Team, das vom Hersteller des Energy-Drinks Red Bull gesponsert wird, hatten die Risiken fünf Jahre lang analysiert.

Baumgartners ursprünglich für vergangenen Montag geplanter Rekordversuch war zuvor drei Mal wegen zu starker Winde verschoben worden. Bisher hielt der 83-jährige Kittinger den Rekord für den höchsten Absprung. Der Amerikaner war 1960 aus 31 Kilometern Höhe in die Tiefe gesprungen, hatte aber mit einem Tempo von 988 Stundenkilometern die Schallgeschwindigkeit verfehlt.