Stinna will sogar bei den Paralympics antreten

Ein Mädchen ohne Beine verzaubert Dänemark

Wenn es sein muss, geht die 14-jährige Stinna auf den Händen. Das Mädchen, das ohne Beine geboren wurde : "Ich kann alles, was ich will. Manchmal will ich nur nicht."

Kopenhagen. Stinna Kaastrup (14) aus dem kleinen dänischen Dorf Ubberud hat einen Traum: Sie will 2012 an den Paralympics in London teilnehmen! Und wer das kleine und 30 Kilo leichte Mädchen auf seinem Pferd Pontus reiten sieht, zweifelt keine Sekunde daran, dass Stinna ihr Ziel erreichen wird. "Ich kann alles, was ich will!", sagt sie. Spitzbübisch fügt sie hinzu: "Manchmal will ich nur nicht."

Stinna kam ohne Beine zur Welt. Ihr Körper hört einfach unterhalb der Hüfte auf. Eine Erklärung gibt es nicht, es scheint einfach eine böse Laune der Natur zu sein. Mutter Heide Kaastrup (41) erinnert sich noch genau, wie die Tage nach der Geburt waren. Anfangs sei sie unglücklich gewesen, aber dann habe sie sich und dem Kind versprochen, dass Stinna ein genauso erfülltes Leben haben soll wie alle anderen auch. "Ich habe sie nie in Watte gepackt, und wir haben die Wohnung auch nicht behindertenfreundlich eingerichtet. Stinna sollte lernen, sich überall bewegen zu können."

Und das kleine tapfere Mädchen lernte es! Heute kann Stinna auf ihren Händen gehen und sich auf den Händen überall hinaufheben. Dabei ist sie so schnell, dass Freundinnen sie scherzhaft die "fliegende Stinna" nennen.

Im Rahmen einer Physiotherapie saß Stinna mit fünf Jahren zum ersten Mal auf dem Rücken eines Ponys. Ihre Mutter konnte damals vor lauter Nervosität kaum hinsehen, aber sie hielt an ihrem Versprechen fest, Stinna ein normales Leben leben zu lassen. Seit jenem Tag liegt für Stinna das Glück dieser Erde zweifelsohne auf dem Rücken der Pferde. Sie trainiert mindestens 20 Stunden in der Woche und stoppt auch dann nicht, wenn sie mal vom Pferd fällt.

Erst vor Kurzem landete sie bei einem Sturz direkt auf dem Kopf. Wenige Tage später saß die Schülerin wieder auf ihrem Pferd. "Ich habe keine Zeit zum Jammern. In Kürze sind die nordischen Meisterschaften in Dressur, da will ich unbedingt dabei sein."

Das Dressurtraining ist anstrengend und schwierig. Während andere Reiter per Beindruck mit dem Pferd kommunizieren, muss Stinna über ihre Stimme und mit leichten Stupsern der Gerte ihrem Pferd sagen, was sie von ihm erwartet. Das macht sie so gut, dass Pferdekenner sagen, sie reite besser als viele andere, die Beine haben. Stinna gewinnt seit zwei Jahren immer wieder wichtige Turniere. Und sie gewinnt sie nicht nur! Die Zuschauer jubeln ihr zu. Man sieht auch immer wieder, dass Menschen weinen, wenn sie das Mädchen ohne Beine sehen, das auf seinem Pferd so viel Lebensfreude ausstrahlt.

Stinnas Traum von den Paralympics wird bei ihrer Energie und ihrem Mut wohl in Erfüllung gehen. Vielleicht wird auch alles andere so, wie Stinna es sich wünscht: "Ich möchte gerne einen tollen Mann kennenlernen und eine Familie gründen. Ich will Kinder haben. Und dann werde ich einen Laden mit Reitzubehör eröffnen. So stelle ich mir mein Leben vor." Die Paralympics sind die Olympischen Spiele für Sportler mit körperlicher Behinderung. Sie finden jeweils kurz vor oder nach den Olympischen Spielen am gleichen Ort statt.