Kelly Family

Kelly-Schloss wird für drei Millionen Euro versteigert

Vor zehn Jahren war die Familie ausgezogen, nachdem viele Mitglieder eigene Familien gegründet hatten. Zudem hatte es immer wieder Streit mit Nachbarn gegeben, weil zahlreiche Fans der Band Gärten und Einfahrten der Nachbarn als Toiletten benutzt haben sollen. Zwischenzeitlich war es zum Skandal gekommen, weil ein Mädchen auf dem Schlossgelände von einem Ast erschlagen wurde.

Brühl. Die Kelly Family ist ihr historisches Wasserschloss im nordrhein-westfälischen Erftstadt endgültig los. Ein pensionierter Industrieversicherungsmakler kaufte Schloss Gymnich am Dienstag für 3.050.000 Euro bei einer Zwangsversteigerung im Amtsgericht Brühl. „Ich bin erleichtert und begeistert“, sagte Joey Kelly, der die Zwangsversteigerung forciert hatte und mit einem eigenen Gebot unterlag. Die Kelly Family hatte den herrschaftlichen Sitz 1998 erworben. Nach dem Tod des Vaters Dan Kelly zogen die Mitglieder nacheinander aus. Auf eine weitere Nutzung konnten sich die zwölf Geschwister nicht einigen.

Der Investor will das denkmalgeschützte Schloss aus dem 14. Jahrhundert mit einem 200.000 Quadratmeter großen Grundstück nun selbst mit seiner Frau beziehen und ein kleines Hotel oder Gastgewerbe eröffnen.

Die Kelly-Familie hat vor 14 Jahren 13,1 Millionen D-Mark, also umgerechnet 6,7 Millionen Euro, für eine Immobilie gezahlt, deren Verkehrswert heute mit nur 5,3 Millionen Euro veranschlagt wird. Die Kellys mussten zwangsversteigern. Der Preis, der bei einer Zwangsversteigerung erzielt wird, liegt regelmäßig unter dem geschätzten Wert. Nun haben Joey Kelly und Co. rund zwei Millionen weniger als der Verkehrswert bekommen. .

Das Schloss steht unter Denkmalschutz und ist renovierungsbedürftig

Schloss Gymnich ist ein festungsartiges Wasserschloss bei Köln. Es steht unter Denkmalschutz, und sein Zustand ist, vorsichtig formuliert, renovierungsbedürftig. Zum Schloss gehören 21 Hektar Land. Wer es kauft, wird Eigentümer von Vorburg und Hauptburg, von Wassergräben, von Brücken und Türmen, von Sälen und einem Altar. Neu bauen darf man nicht. Natürlich muss man das Anwesen auch bezahlen können.

+++ Für echte Fans: Schloss der Kelly Family wird versteigert +++

1998 stand dem Schloss die erste Zwangsversteigerung bevor - und Dan Kelly, Oberhaupt der rothaarigen irischen Superstar-Familie, erhielt den Zuschlag und zog ein. Zwei Jahre lang lebten die Kellys hier und inszenierten vor den Fans, die zu Hunderten vor den Schlosstoren campierten, ihr Großfamilienglück. Ab 2000 begann der Niedergang. Dans Kinder zogen eins nach dem anderen aus. Irgendwann lebte Dan allein in den feuchten Mauern.

2002 starb Dan Kelly. Zuletzt bildeten die zwölf Geschwister der Familie eine Erbengemeinschaft. Die versuchte einiges: Vermietung, Verpachtung, Verkauf. Es war ein Zuschussgeschäft. "Bei so vielen Miteigentümern ist ein Verkauf einfach fast unmöglich, weil immer jemand anderer Meinung ist", sagt Joey Kelly. Der übliche Ausweg aus dieser Zwickmühle: Zwangsversteigerung.

Sie ist immer das letzte Kapitel einer langen, unerfreulichen Geschichte. Oft wird eine Zwangsversteigerung von einer Bank beantragt, wenn ein Schuldner zahlungsunfähig ist. Nicht minder selten ist es aber so wie hier: Eine Erbengemeinschaft kann sich nicht auf eine gemeinsame Nutzung des unteilbaren Erbes (klassischerweise eine Immobilie) einigen. Jedem Erbe gehört dann jeder Stein und jede Blume. Wenn die Immobilie mit allen ihren Steinen und Blumen verkauft wird, müssen sich alle Erben einig sein. Das ist in der Realität nicht einfach.

Die Wirklichkeit hat die Kelly-Familie eingeholt

Die Kelly-Familie war sich eigentlich immer einig. Diesen Eindruck konnte man von der wilden irischen Musik-Truppe haben. Sie tingelte durch die Welt, schlief unter den Sternen und hatte sich lieb. Geld war bei ihr immer nur ein Abfallprodukt der Musik. Und die vielen Millionen schafften es nicht, die Eintracht und die Liebe der Kelly-Familie zu zerstören. So stellte man es sich vor. Doch nun hat die Realität die Kellys eingeholt.

Die Mitglieder der Kelly-Familie konnten sich nicht einigen. Weder über eine Nutzung noch über einen Verkauf. Darum hat Joey Kelly die Zwangsversteigerung "forciert".