Nach Bombenentschärfung in Koblenz

Aufhebung der Evakuierung: "Die fahren noch ein paar Stunden"

Foto: dapd / dapd/DAPD

45.000 von 106.000 Koblenzern dürfen nachhause zurückkehren, nachdem die Entschärfung zweier Weltkriegs-Blindgänger im Rhein eine Massenevakuierung nötig gemacht hatte.

Koblenz. Aufatmen in Koblenz: Kampfmittelräumer haben zwei gefährliche Weltkriegsbomben im Rhein entschärft. "Wir sind erleichtert“, sagte Feuerwehrsprecher Manfred Morschhäuser nach den fast dreistündigen Arbeiten unter Hochspannung am Sonntag. Die Stadt Koblenz hatte zuvor die bundesweit größte Evakuierungsaktion wegen eines Blindgängers seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt. Rund 45.000 Einwohner mussten ihre Häuser verlassen .

Nach den erfolgreichen Entschärfungen normalisierte sich die Lage am Deutschen Eck rasch. Nur noch die Sanitätsdienste hatten alle Hände voll zu tun, um Hilfsbedürftige zurück in Krankenhäuser oder Altersheime zu bringen. "Die fahren noch ein paar Stunden“, sagte Feuerwehrsprecher Manfred Morschhäuser. Er lobte den Einsatz der zumeist ehrenamtlichen Helfer. Auch die Rückkehr der 45.000 Koblenzer, die ihre Häuser hatten räumen müssen, verlaufe ruhig. Er habe keine Kenntnis von Staus in der Stadt, sagte der Sprecher.

Im Rhein schlummerte seit fast 70 Jahren eine 1,8 Tonnen schwere britische Luftmine und eine kleinere US-Bombe. Vor allem die kleinere Bombe bereitete den Sprengstoffexperten Sorgen: Sie war in einem schlechten Zustand und galt als besonders gefährlich. Auch für den technischen Leiter des Kampfmittelräumdienstes Rheinland-Pfalz war der Einsatz in Koblenz nicht alltäglich: "Ich hatte schon ziemliches Interesse daran, das Ding zu entschärfen, das war nicht das Übliche“, sagte Horst Lenz am Sonntag.

+++ 1,8-Tonnen-Mine in Koblenz: Bombenentschärfer im Stress +++

Nervosität kennt er in seinem Geschäft jedoch nicht: "Ich bin auch heute morgen ganz normal aufgestanden und hätte fast sogar verpennt“, gestand Lenz nach der erfolgreichen Entschärfung. Die Sprengsätze waren wegen des niedrigen Wasserstands nach dem trockenen November aufgetaucht. Spaziergänger hatten die größere Bombe am 20. November in der Nähe des Deutschen Ecks entdeckt.

Nach den beiden Bomben gelang am Nachmittag auch die kontrollierte Sprengung eines Tarnnebel-Fasses mit giftigen Chemikalien, dass ebenfalls im Rhein entdeckt worden war. Anschließend wurde die Evakuierung aufgehoben und das Sperrgebiet 1,8 Kilometer rings um die Bomben wieder freigegeben.

Koblenzer nahmen Evakuierung gelassen

Die Koblenzer hatten die Aufforderung, ihre Häuser zu verlassen sehr gelassen aufgenommen. Ab 9.30 Uhr hallten im strömenden Regen Aufforderungen der Bundeswehr durch die Straßen, die Gefahrenzone zu verlassen. Wie das Pressezentrum der Stadt mitteilte, verlief die Evakuierung reibungslos. Die Experten des Kampfmittelräumdienstes konnten sogar früher als geplant mit der Entschärfung beginnen. Autos, Züge und Schiffe auf dem Rhein waren da schon längst nicht mehr zu sehen.

Etwa 2500 Helfer aus ganz Rheinland-Pfalz waren im Einsatz. Rund 550 Hilfsbedürftige wurden aus der Sperrzone gefahren. Schon in den vergangenen Tagen waren sieben Altenheime, zwei Krankenhäuser und eine Haftanstalt geräumt worden. Die Stadt hatte sieben Notunterkünfte mit 12.000 Plätzen eingerichtet. Viele Koblenzer zogen jedoch ein Wochenende bei Freunden und Bekannten vor - nur rund 500 Menschen suchten dort Zuflucht.

+++ Bombenentschärfung: Erste Häftlinge wurden verlegt +++

Bei einer letzten Kontrolle durch die Stadt mit insgesamt 106.000 Einwohnern prüften am Sonntagvormittag noch rund 1000 Einsatzkräfte, ob die Sperrzone wirklich menschenleer war. Dabei musste die Feuerwehr vier verschlossene Türen öffnen. Eine demenzkranke Frau wurde so noch in Sicherheit gebracht. In drei Fällen war der Verdacht allerdings unbegründet - Zeitschaltuhren hatten das Licht in den Wohnungen brennen lassen.

Koblenz war schon öfter Schauplatz spektakulärer Entschärfungen, weil die Stadt im Zweiten Weltkrieg als Militärzentrum und Verkehrsknotenpunkt stark bombardiert worden war. Bei der bislang umfangreichsten Evakuierung in der Nachkriegsgeschichte hatten am Pfingstmontag 1999 rund 15.000 Koblenzer ihre Häuser räumen müssen. (dpa/abendblatt.de)