Presserat will Lehren aus „Bild"-Telefonaktion ziehen

abendblatt.de

300 Mails und 600 Anrufe am Dienstag

Berlin. Der Deutsche Presserat prüft nach einer „Bild“-Telefonaktion mögliche Konsequenzen. In den Gremien werde beraten, wie künftig mit ähnlichen Fällen umgegangen werde, sagte der Geschäftsführer des Presserats, Lutz Tillmanns, am Mittwoch der Nachrichtenagentur dapd.

Der Presserat hatte „Bild“ im Juni dafür gerügt, die Persönlichkeitsrechte eines mutmaßlichen Straftäters verletzt zu haben. Das Blatt störte sich daran und forderte seine Leser am Dienstag dazu auf, dem Gremium die Meinung dazu zu sagen. Der Presserat sah sich daraufhin massenhaften Telefonanrufen ausgesetzt.

Mehr als 300 Mails und Faxe sowie rund 500 bis 600 Anrufe seien am Dienstag eingegangen, sagte Tillmanns. Die Mitarbeiter des Presserats hätten nicht jedes Telefonat entgegennehmen können. Daher sei ein Anrufbeantworter dazwischengeschaltet worden. Inzwischen ebbe der Ansturm aber langsam ab. Mit einem „Bild“-Verantwortlichen habe er noch nicht gesprochen, um sich die Motive der Aktion erklären zu lassen.

„Bild“ hatte am 12. Februar 2011 über einen Kindes-Entführungsfall berichtet und ein Foto des mutmaßliches Täters abgedruckt. Der Presserat beschloss Anfang Juni, das Blatt dafür nicht-öffentlich zu rügen, weil damals noch kein Gericht über den Mann geurteilt hatte. Das Gremium kritisierte eine Prangerwirkung. „Bild“ sieht die Pressefreiheit eingeschränkt. (dapd)