Mittelrhein

Nach Havarie: Schiffsverkehr wieder frei

Der Rhein musste erneut aufgrund von Schiffsunfällen gesperrt werden. Seit etwa 20 Uhr ist die Wasserstraße wieder befahrbar.

Oberwesel/Bingen. Nach der Havarie dreier Schiffe ist der Schiffsverkehr auf dem Rhein zwischen Mainz und Bingen wieder frei. Seit 20.05 Uhr könne die Wasserstraße wieder befahren werden, sagte ein Sprecher des Wasser- und Schiffahrtsamtes am Freitag auf dapd-Anfrage. Allerdings gelte noch bis 22.00 Uhr ein Überholverbot.

Den Einsatzkräften sei es gelungen, den bei Oberwesel verunglückten Kiesfrachter in den Loreleyhafen zu schleppen. Der zweite festgefahrene Kiesfrachter bei Trechtingshausen habe seine Fahrt am Abend fortsetzen können, sagte der Sprecher. Das auf einer Sandbank festsitzende Motortankschiff sei zwar noch nicht völlig freigeschleppt, blockiere die Fahrrinne aber nicht. Eventuell könne es wegen der Bergungsarbeiten noch zu kurzfristigen Sperrungen der Wasserstraße kommen.

Die zwei Kiesfrachter waren bereits am späten Donnerstagabend havariert. Das Tankschiff war am Freitagmittag verunglückt, als es wegen der Sperrung des Rheins vor Anker gehen wollte. Zeitweise lagen oberhalb und unterhalb der Unfallstelle 65 Schiffe fest.

Drei Binnenschiffe laufen auf dem Rhein auf Grund

Wieder musste der Rhein wegen Schiffsunfällen gesperrt werden: Fast sieben Monate nach dem Untergang des Säuretankers „Waldhof“ an der Loreley haben am Freitag drei auf Grund gelaufene Binnenschiffe für einen neuen Schiffsstau gesorgt. In der Nähe der Loreley stieß ein mit rund 1800 Tonnen Kies beladener Frachter an einen Felsen, ein zweites Schiff fuhr sich nahe Bingen im Flussbett fest. Der Rhein wurde wieder gesperrt – und prompt setzte ein drittes Schiff auf. Die Bergung der drei Unglücksboote dauerte am frühen Abend noch an. „Es wird auf jeden Fall dunkel werden“, sagte ein Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamts in Bingen.

Die wichtige Wasserstraße zwischen Bingen und St. Goar war zunächst gesperrt. Rund 65 Schiffe stauten sich dort. Im weiteren Flussgebiet seien es locker doppelt so viele, berichtete der Sprecher. „Da ballt es sich dann.“ Grund für die Sperrung war „Alma“. Das 86 Meter lange und mit rund

1800 Tonnen Kies beladene Schiff war am Donnerstagabend in der Nähe von Oberwesel havariert. Es war vermutlich nach einem technischen Defekt an der Ruderanlage nicht mehr zu steuern. Der Kapitän hatte noch versucht, mit dem ausgeworfenen Anker zu bremsen. Die Strömung habe das Schiff dann gegen das linksrheinische Ufer getrieben, berichtete ein Sprecher der Wasserpolizei in St. Goar.

Die Besatzung wurde nicht verletzt. Das Schiff trieb zunächst quer in einer Fahrrinne, schlug an mehreren Stellen leck und lief voll Wasser. Mehr als 50 Feuerwehrmänner versuchten, das Wasser abzupumpen und das Schiff vom Fels zu bekommen. Ein Schwimmbagger entlud bereits einen Teil der Fracht, damit das Schiff wieder ein Stück nach oben trieb. Die Bergung dauerte am Abend noch an.

Ein zweites Schiff steckte bei Trechtingshausen im Kreis Mainz-Bingen fest. Vermutlich habe der Kapitän der „Pieter Senior“ einen Fehler gemacht und sei aufgelaufen, berichtete die Wasserschutzpolizei in Bingen. Das Gütermotorschiff lag außerhalb der Fahrrinne. Ein Leichterschiff sollte Teile der rund 2800 Tonnen Sand aufnehmen.

Die Rheinsperrung wurde wohl einem dritten Schiff zum Verhängnis: Ein mit Ethanol beladener Tanker hatte bei Boppard gewartet, sich dann gelöst und war aus der Fahrrinne getrieben, so dass er aufsetzte. „So was passiert“, sagte der Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamts. Der Kapitän habe wohl nicht gleich gemerkt, dass das Schiff losgetrieben sei. Schlepper sollten den Tanker bis zum Abend in die Fahrrinne zurückziehen.

Nach den neuen Havarien warnte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) vor einem Kahlschlag bei der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV). Nach Lewentz’ Angaben plant die schwarz-gelbe Bundesregierung, bei der WSV rund 3200 von 13 000 Stellen zu streichen. Die WSV ist zum Beispiel für die Sicherheit des Schiffsverkehrs auf den insgesamt 7300 Kilometer langen Binnenwasserstraßen zuständig. (dpa)