Freispruch im Vergewaltigungsprozess

Weder schuldig noch unschuldig: Kachelmanns Image beschädigt

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Jörg Kachelmann verließ das Landgericht Mannheim als unschuldiger, aber dennoch beschädigter Mann. Eine Revision wird nun geprüft.

Mannheim. Jörg Kachelmann ist vom Vorwurf der schweren Vergewaltigung freigesprochen. Von erwiesener Unschuld kann aber keine Rede sein. Das ist die Botschaft des Mannheimer Richterspruchs. Was der Vorsitzende Richter Michael Seidling am Dienstag über den Wettermoderator vortrug, kann dem 52-Jährigen kaum gefallen haben.

Der Schweizer hatte bei seiner einzigen Aussage kurz nach seiner Verhaftung vor dem Haftrichter gelogen, so stellte die Strafkammer jetzt ausdrücklich fest. Er gab damals an, er habe nur eine lockere Verbindung zu der Radiomoderatorin in Schwetzingen gehabt. Eine Perspektive habe es in dieser elfjährigen Beziehung nicht gegeben. Als ihn die Ex-Freundin in jener Nacht dann mit Flugtickets konfrontierte, die seinen Namen und den einer anderen Frau trugen, habe er schließlich eingestanden, etwas mit ihr gehabt zu haben. Man habe sich einvernehmlich getrennt.

Die meisten dieser Angaben hielt das Gericht für widerlegt. „Mehrmals täglich“ habe der Angeklagte in Chats oder SMS intensiv Anteil am Leben seiner damaligen Schwetzinger Freundin genommen. Tausende Seiten mit ausgedruckten E-Mails „sprechen Bände“, so der Vorsitzende Michael Seidling. Wenn Kachelmann beim Haftrichter aussagte, es habe keine Perspektive gegeben, dann gelte das vielleicht für ihn. Ihr habe er ein ganz anderes Bild vermittelt. Ein gemeinsames Heim im Schwarzwald war geplant, die Einrichtung wurde besprochen. Von einem Kind war die Rede. Der Angeklagte habe die Frauen „seismografisch geführt“ und verfüge über „manipulative Fähigkeiten“, zitierte der Vorsitzende einen Gutachter, der im Prozess die Persönlichkeit Kachelmanns charakterisierte.

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Die Strafkammer glaubte der Frau, dass er in dieser Nacht nicht nur die eine Nebenbeziehung einräumte, sondern seine zahlreichen Parallelbeziehungen eingestand und auch von seinen psychischen Störungen berichtete. Wie sonst hätte sie von den vielen anderen Frauen erfahren sollen. Sie war bis zu dieser Nacht nur von einer Nebenbuhlerin ausgegangen. Kachelmann habe, so die Schlussfolgerung der Strafkammer, bei seinen Angaben die Unwahrheit gesagt.

Ob nach diesem Streit eine Vergewaltigung stattfand oder Kachelmann die Wohnung der Ex-Freundin ohne Straftat verließ, das ließ die 5. Große Strafkammer offen. Denn nicht nur Kachelmann, auch seine Ex-Freundin hatte gelogen. Hartnäckig hatte sie der Polizei verschwiegen, dass sie schon lange die Flugtickets besaß und bereits unter falschem Namen Kontakt zu der Frau auf dem Flugschein aufgenommen hatte.

Diese Lüge wog schwer bei der Beweiswürdigung. Nur wenn die objektiven Spuren eindeutig gewesen wären, hätte es zu einem Schuldspruch kommen können. Das Messer, das Kachelmann ihr an den Hals gesetzt haben soll, hatte aber keine eindeutigen Spuren. Es konnte nicht bewiesen werden, dass er es angefasst hatte. Auch bei ihren Verletzungen stand nach Überzeugung des Gerichts nicht eindeutig fest, ob sie diese selbst zumindest verstärkt hatte.

Nach 43 Tagen Beweisaufnahme musste das Gericht feststellen, dass „jede Beweiskette in die eine wie in die andere Richtung immer wieder abreißt“. Wegen dieser Zweifel entschied das Gericht für den Angeklagten.

Am Ende entließ das Gericht die Medien mit einer Mahnung: „Bedenken Sie, dass Herr Kachelmann möglicherweise die Tat nicht begangen hat und deshalb zu Unrecht als Rechtsbrecher vor Gericht stand. Bedenken Sie aber auch, dass Frau D. möglicherweise Opfer einer schweren Straftat war.“

Kachelmann verließ das Landgericht Mannheim am Dienstag als unschuldiger, aber dennoch beschädigter Mann.