Gericht urteilt heute über Schuld am Absturz der Concorde

Paris. Ein Feuerball über der Pariser Vorort-Gemeinde Gonesse beendete am 25. Juli 2000 das Leben von 113 Menschen, unter ihnen 97 Deutsche. Der Absturz der Air-France-Concorde nach eineinhalb Minuten Flug zertrümmerte zugleich einen Mythos: Denn der 62 Meter lange "fliegende Bleistift" galt bis dahin als sicherstes Flugzeug der Welt. Gerade deswegen stand schnell die Suche nach der Ursache im Mittelpunkt des Interesses. Was lief schief?

Rund zehn Jahre später will ein Gericht in Pontoise bei Paris heute die Schuldfrage endgültig klären. Die Ankläger konzentrieren sich auf drei Hauptakteure: Zwei Mechaniker und einen Ingenieur. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Concorde beim Start über ein Metallstück rollte, das ein zuvor abgeflogener Jet der Fluggesellschaft Continental verloren hatte. Es löste eine Kettenreaktion aus: Die Lamelle ließ einen Reifen am Fahrwerk der Concorde platzen, Gummiteile durchschlugen einen Flächentank des Flugzeugs, das ausströmende Kerosin fing Feuer. Die Verteidigung der US-Airline Continental behauptet dagegen, dass die Concorde bereits brannte, bevor sie die Titan-Lamelle überrollte. Ursache soll eine Unebenheit in der Startbahn gewesen sein.

Wie die Unfallermittler auch hält die Anklage das für falsch und hat für zwei Continental-Mechaniker 18 Monate Haft auf Bewährung gefordert. Sie waren für die Montage der Lamelle verantwortlich. Der damalige Chef des Concorde-Programms Henri Perrier soll mit zwei Jahren Haft auf Bewährung büßen, weil er die Anfälligkeit des Überschalljets gekannt haben soll. Für die meisten Hinterbliebenen hat das Urteil nur noch symbolische Bedeutung. Sie einigten sich mit Air France auf Entschädigungen.