"Reisebusfahrer müssen prüfen, ob alle Insassen angeschnallt sind"

Acht Opfer des Unglücks in Brandenburg noch in Lebensgefahr

Berlin. Nach dem Unglück eines polnischen Reisebusses bei Berlin mit 13 Toten werden Fragen nach der Sicherheit von Busreisen lauter. Bei dem schweren Unfall am Sonntag war eine Autofahrerin, 37, mit dem Bus kollidiert, der daraufhin gegen einen Brückenpfeiler prallte. Die genauen Umstände sind noch unklar; die Staatsanwaltschaft Potsdam leitete ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung ein.

Experten vermuten, dass nicht so viele Fahrgäste bei dem Unglück verletzt oder getötet worden wären, wenn alle Insassen angeschnallt gewesen wären. "Der Beckengurt hält bei einem Aufprall den unteren Teil des Körpers fest, und der obere Teil wird vom weich gepolsterten Bussitz aufgrund der hohen Lehnen aufgefangen", sagte der Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer, Wolfgang Steinbrück. Wie viele der insgesamt 49 Insassen des Reisebusses wirklich angeschnallt waren, ist bislang jedoch nicht klar.

In Deutschland gilt Steinbrück zufolge seit 1998 eine Anschnallpflicht in Omnibussen. Jeder Reisebus, der seitdem neu ausgeliefert worden sei, müsse demnach mit Gurten versehen sein. "Das Fahrpersonal ist verpflichtet, die Fahrgäste darauf hinzuweisen, sich vor Fahrtbeginn anzuschnallen, und das dann auch zu kontrollieren", fügte er hinzu. "Der Reisebus in Deutschland und in Europa ist nach wie vor das sicherste Verkehrsmittel auf der Straße." Ganz gleich, wo ein Fahrgast sitzt, alle Plätze sind seiner Ansicht nach gleich sicher, sogar der des Fahrers. "Die Rahmen eines Busses sind so konstruiert, dass sie einen Aufprall so absorbieren, dass selbst der Fahrer nicht extrem eingeklemmt werden kann", erläuterte er.

13 Opfer konnten inzwischen identifiziert werden, unter ihnen ist auch ein Mädchen, 13. Nach Angaben der Polizei schweben noch acht Schwerverletzte in Lebensgefahr. Mittlerweile sind 120 Angehörige der Businsassen in Brandenburg eingetroffen. In Königs Wusterhausen informierten sie Botschaftsmitarbeiter über das Schicksal ihrer Verwandten und begleiteten sie in die 16 Krankenhäuser in Berlin, Brandenburg und Sachsen, in denen die Verletzten behandelt werden.

Der polnische Botschafter Marek Prawda dankte gestern Brandenburg und Berlin für den professionellen Einsatz der rund 300 Rettungskräfte und Polizisten am Unfallort Schönefelder Kreuz. Heute will die polnische Woiwodschaft Westpommern die Opfer mit einer eintägigen Trauer ehren.