Böhse Onkelz: Prozess wegen Fahrerflucht

Kevin Russel vor Gericht: Der Böse Onkel schweigt

Die Opfer des Unfalls, den der Onkelz-Sänger Silvester 2009 unter Drogeneinfluss verursacht haben soll, weinten bei ihren Aussagen. Kevin Russel schweigt.

Frankfurt/Main. Fahrlässige Körperverletzung und Unfallflucht lauten die Anklagepunkte, wegen denen gegen den Onkelz-Sänger Kevin Russel verhandelt wird. Die beiden Unfall-Opfer sagten unter Tränen aus.

In bedrückender Stimmung und mit Anschuldigungen der Opfer hat in Frankfurt der Prozess gegen den Böhse-Onkelz-Sänger Kevin Russell wegen fahrlässiger Körperverletzung und Unfallflucht begonnen. Der Frontmann der ehemaligen Rockband soll nach einem schweren Unfall am Silvesterabend 2009 die Flucht ergriffen haben. Zwei Menschen waren bei dem Zusammenstoß auf einer Autobahn bei Frankfurt schwer verletzt worden. Einer der beiden Männer beschuldigte den 46-Jährigen am Freitag im Zeugenstand unter Tränen, ihn zum Krüppel gemacht zu haben. „Dass ein Mensch zu so etwas fähig ist“,sagte er vor dem Landgericht.

Beide Opfer leiden sichtlich unter den Folgen des Unfalls. Sie sind nach eigener Aussage nicht arbeitsfähig und könnten sich an den Unfall auf der Autobahn nicht mehr erinnern.

Der 22-Jährige, der auf dem Beifahrersitz des Wagens saß, schilderte unter Tränen, wie ihn seine Verletzungen – vor allem die Amputation von drei Fingern – im Alltag einschränken. „Der hat mein Leben kaputt gemacht“, sagte er zu Russell, der die Aussagen auf der Anklagebank konzentriert verfolgte. Im Zuschauerraum brach die Mutter des 22-Jährigen in Tränen aus. Der 20 Jahre alte Fahrer erlitt schwere Verbrennungen und innere Verletzungen, außerdem leidet er seit dem Crash an schweren Konzentrationsstörungen. Er sei enttäuscht und wütend darüber, „dass er uns nicht geholfen hat und einfach abgehauen ist“, sagte der Mann.

Die Staatsanwaltschaft wirft Russell unter anderem Unfallflucht vor: Er soll sich nach dem Zusammenstoß kurz vergewissert haben, dass den beiden Verletzten im Autowrack geholfen wird, bevor er sich über die Felder zu Fuß davon machte. Statt die Beteiligung am Unfall zuzugeben, soll er ausgesagt haben, dass ein anderer am Steuer saß. Kurios: Dieser Partner hatte sich auch – in Begleitung von Russells Manager – selbst bei der Polizei bezichtigt. Anklage konnte vor allem erhoben werden, weil DNA-Spuren Russells am Airbag des Sportwagens entdeckt wurden.

Russell verfolgte die Aussagen der Unfallopfer weitgehend regungslos. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm mehrere Jahre Haft, wie die Staatsanwaltschaft ankündigte. Russell sei nach einer Verurteilung wegen der Einfuhr von Rauschgift auf Bewährung frei und zudem wegen Trunkenheit am Steuer und Unfallflucht vorbestraft.

Mehrere Fans der Böhsen Onkelz verfolgten im Zuschauerraum die Verhandlung, der erwartete Andrang blieb aber aus. „Ich will meine Unterstützung zeigen, die haben mir so viel gegeben“, sagte eine 24- Jährige aus dem Raum Marburg. Und traurig: „Kevin sieht ja total fertig aus.“

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