Kurzer Prozess am ersten Tag im Kachelmann-Verfahren

Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden und eine Richterin

Mannheim. Kaum begonnen, war der erste Tag im Prozess des Jahres schon vorbei: Nach zehn Minuten Verhandlung gegen Fernsehmoderator Jörg Kachelmann, 52, vor dem Landgericht Mannheim wurde die Sitzung wegen eines Befangenheitsantrags vertagt. Die Anwälte des Angeklagten haben Bedenken gegen den Vorsitzenden Richter Michael Seidling und die Richterin Daniela Bültmann. Zuvor hatte es Spekulationen gegeben, dass Seidling privat mit dem Vater des mutmaßlichen Opfers bekannt ist. Der Prozess soll am nächsten Montag fortgesetzt werden.

"Herr Kachelmann hat den Befangenheitsantrag gestellt, weil die Sorge besteht, dass die beiden abgestellten Richterpersönlichkeiten ihm nicht mit der nötigen Unvoreingenommenheit gegenüberstehen", sagte sein Verteidiger Reinhard Birkenstock. Kachelmann wird beschuldigt, seine Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Der Befangenheitsantrag war nicht die einzige Überraschung: Anders als erwartet, erschien das mutmaßliche Opfer in Begleitung seines Anwalts vor Gericht. Die 37 Jahre alte Radiomoderatorin tritt als Nebenklägerin in dem Prozess auf. Ihr Anwalt Thomas Franz bat darum, keine Fotos oder Videos von ihr zu veröffentlichen.

Der TV-Comedian Oliver Pocher, 32, nutzte das große Medienaufgebot zu einer eigenen Inszenierung: Als Kachelmann verkleidet fuhr Pocher vor und gab ein "Pressestatement" ab.