Biobauer Charles erntet Lorbeeren in Deutschland

Der Eckart-Witzigmann-Preis wird an den Thronfolger verliehen

Stuttgart. Prinz Charles, 61, wird in Deutschland mal wieder geehrt. Manche meinen, dass er im Land seiner Hannoveraner Vorväter mehr geschätzt wird als daheim auf der Insel. Für seine Verdienste um eine nachhaltige Landwirtschaft erhält der Thronfolger heute in Stuttgart den Eckart-Witzigmann-Preis des Landes Baden-Württemberg. Zwar reist er nicht eigens an, will aber eine Videobotschaft senden.

2008 hatte Charles in Berlin bereits den Nachhaltigkeitspreis in Empfang nehmen können. Dabei sagte er: "Ich fürchte, dass es unseren Enkeln ziemlich gleichgültig sein wird, ob wir in diesem 21. Jahrhundert ein Wirtschaftswachstum wie im 20. Jahrhundert aufrechterhalten konnten." Was sie vielmehr interessieren werde, sei der Zustand des Klimas oder ob es genug Nahrung und Wasser gibt.

Seit Jahrzehnten setzt sich Charles mit seinen Stiftungen für Natur- und Klimaschutz, Regenwald und Artenvielfalt ein. Er kämpft gegen genetisch veränderte Lebensmittel und den Einsatz von Insektengiften. Die ökologische Landwirtschaft predigt er nicht nur, er praktiziert sie auch auf seinem Landsitz im Herzogtum Cornwall in Südwestengland. Unter dem Label "Duchy Originals" sind seine Bioprodukte im Supermarkt zu haben.

Für Charles selbst gibt es nichts Schöneres, als auf seinem Landgut Highgrove gummibestiefelt die Beete umzugraben und begütigend auf Pflanzen einzusprechen. Es gibt allerdings einen gewissen Widerspruch zwischen den Umwelt-Ambitionen des Prinzen und seinem Hang zu Luxus. Er, der von Lakaien und Butlern umschwärmt wird, bewohnt gleich mehrere Paläste, jettet laufend um die Welt und pflegt - gerade was das Essen betrifft - exzentrische Vorlieben. Genau das ist der Grund dafür, warum seine Plädoyers für ein einfaches Leben und weniger Wirtschaftswachstum von vielen Briten nicht ernst genommen werden. "Der hat gut reden", meinen sie.