Der König der Affären

Elefantenjagd in Afrika und das Verhältnis mit einer deutschen Prinzessin. Spaniens Monarch Juan Carlos in der Krise

Madrid. Es war die kürzeste Rede des spanischen Königs in seiner 36 Jahre währenden Amtszeit. "Ich bitte um Verzeihung, es wird nie wieder vorkommen", sagte ein zerknirschter, niedergeschlagener Juan Carlos in nur etwa zehn Sekunden, als er am Mittwoch nach seiner Hüftoperation aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Die Spanier horchten auf: Es war die erste Entschuldigung, die einem ihrer Monarchen jemals über die Lippen kam.

Warum, fragten sie sich, gibt Juan Carlos, der immer öfter unrasiert auftritt, neuerdings eine so unwürdige Figur ab? Leidet der König, der im Januar 74 Jahre alt wurde, an einer Art Endlife-Crisis? Die unglückselige Safari ist der erste Skandal, der einen Schatten auf den Monarchen selbst wirft. Der König war allenfalls für seine Schwäche für schöne Frauen, Blondinen bevorzugt, bekannt, doch die Medien übergingen dies stets diskret. "Juan Carlos hatte schon immer eine ausgeprägte Schwäche für das andere Geschlecht, aber wir Spanier haben ihm das verziehen, es machte ihn so viel menschlicher", sagt Francisco Gavilán, ein Kenner des Königshauses. Auch bei der Safari war wieder eine Dame mit von der Partie, die deutsche Prinzessin Corinna zu Sayn-Wittgenstein, geborene Larsen. Die 47-Jährige, die in El Pardo unweit des Königspalastes lebt, soll den König schon vor sechs Jahren kennengelernt haben - sie organisiert Jagd-Safaris für Aristokraten und Millionäre.

Die Hofbiografin Pilar Eyre war es, die in ihrem Buch "Die Einsamkeit der Königin" erstmals die Affäre des Monarchen mit der zweimal geschiedenen Deutschen enthüllte. Auch Sayn-Wittgenstein ist passionierte Jägerin, sie leitete den Ausflug nach Botswana, der von einem syrischen Multimillionär mit saudi-arabischem Pass bezahlt wurde, in die Wege und begleitete den König auf seinem Rückflug nach Madrid. Ihren Titel bekam sie 2000 durch die Heirat mit Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein. Mit dem Milliardär Gert-Rudolf (Muck) Flick hatte sie eine Affäre.

Juan Carlos hat einem Teil seiner Familie von der Deutschen erzählt

Die Sache ist offenbar ernster als gedacht. Schon vor der Reise nach Afrika habe der Monarch seinen Kindern Elena, 48, Cristina, 46, und Felipe, 44, bei einem Abendessen seine Sympathien für die schöne Deutsche gestanden, schreibt die Online-Zeitung "Público". Die Königin war bei diesem Familientreffen natürlich nicht dabei. Doña Sofia, 73, hat in den vergangenen Jahren gelernt, mit den Eskapaden des Gatten umzugehen, und bewahrt Fassung bei gemeinsamen Auftritten. Laut Eyres Biografie wurde die Königin erstmals 1976 mit der Realität konfrontiert. Damals wollte sie ihren Mann, der auf Jagd in den Bergen von Toledo war, überraschen und fuhr in das gemeinsame Wochenendhaus. Dort fand sie Juan Carlos in Begleitung der neun Jahre älteren Schauspielerin Sara Montiel.

Die Liste der Romanzen des Königs ist lang und beinhaltet Namen wie Maria Gabriela von Savoyen, die Tochter des italienischen Königs Umberto, oder Olginha Nicolis (Gräfin von Robilant). Sogar der verstorbenen Prinzessin Diana soll Juan Carlos seinerzeit schöne Augen gemacht haben. "In Spanien gibt es zwei Königinnen: die offizielle, Sofia, seit 1962 mit dem König verheiratet, und die inoffizielle, die provokante blonde Prinzessin Corinna zu Sayn-Wittgenstein, geschieden seit vier Jahren, Geliebte des größten herrschaftlichen Schürzenjägers Europas", schreibt der Spanien-Korrespondent der italienischen Zeitung "La Stampa". Vielleicht war die Entschuldigung des Königs auch an die Adresse seiner Frau gerichtet, denn das Paar feiert am 14. Mai goldene Hochzeit. Sofia bereitet das Fest trotz allem vor, doch es soll keine große Feier werden. Angeblich, weil das Land mit der Pleite kämpft.

Prinz Felipe wird künftig immer mehr offizielle Aufgaben übernehmen

Die spanische Presse scheint Juan Carlos jedenfalls zu verzeihen. Selbst die Mitte-links-gerichtete Zeitung "El País" befand, er habe eine Geste gemacht, "die ihn ehrt". Das konservative Blatt "El Mundo" schrieb, das königliche Pardon habe die Aufmerksamkeit auf einen historischen Tag für die spanische Monarchie gezogen. "Ich will so schnell wie möglich wieder an die Arbeit", ließ der König wissen. Aber einige Änderungen wird es doch geben. Das Königshaus will mehr Einblicke in seine Ausgaben gewähren, Einladungen werden nicht mehr ohne Weiteres angenommen und die Reisen auf repräsentative Zwecke beschränkt bleiben. Kronprinz Felipe soll mehr offizielle Aufgaben übernehmen. Eine Ära neigt sich dem Ende zu, der König hat einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet.

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