Gottschalk Live

Gottschalk und die Quoten-Krise

In den vergangenen Tagen haben sich die Spekulationen um ein schnelles Ende von Gottschalks ARD-Vorabendshow verdichtet. Nach Medienberichten hat sich eine Mehrheit der Intendanten in einer Schaltkonferenz am Montag für ein Ende von „Gottschalk Live" ausgesprochen.

Die Debatte über eine mögliche Absetzung von „Gottschalk Live“ sorgt bei der Redaktion der ARD-Sendung für Aufregung. Der verantwortliche Redakteur Carsten Wiese sagte dem „Münchner Merkur“ (Freitagausgabe), es mache ihn „traurig und wütend“, wie manche in der ARD mit Thomas Gottschalk umgingen. Der Vorabend-Talk sei schließlich nicht einmal acht Wochen auf Sendung.

Der ARD-Programmdirektor Volker Herres sagte nach Angaben der „Bild“-Zeitung, er habe Gottschalk in einem Gespräch daran erinnert, dass „jetzt rasch ein starker Trend nach oben gehen muss“. Ansonsten tue sich die ARD bei einer Entscheidung über die Fortsetzung der Sendung schwer. Der Sender kann die Show zum Beginn der Sommerpause im Juni einstellen, wenn sie nicht bis zum 20. April auf einen durchschnittlichen Marktanteil von zehn Prozent kommt.

Hintergrund: In den vergangenen Tagen haben sich die Spekulationen um ein schnelles Ende von Gottschalks ARD-Vorabendshow verdichtet. Nach Berichten der Tageszeitungen „Die Welt“ und „Hamburger Abendblatt“ hat sich eine Mehrheit der Intendanten in einer Schaltkonferenz am Montag für ein Ende von „Gottschalk Live“ ausgesprochen. Die ARD-Vorsitzende Monika Piel wies diese Darstellung am Donnerstag zurück. Auch Gottschalk selbst sagte am Donnerstag „Bild.de“, ARD-Programmdirektor Volker Herres habe ihm versichert, „dass er hinter der Sendung steht“. Es gehe weiter, „wenn sich bis Ende April die inhaltliche Qualität verbessert und es bei den Quoten wieder einen Aufwärtstrend gibt“. Erst am Montag hatte Gottschalk einen Neustart mit Studiopublikum hingelegt. Piel sagte: „Es wäre ja auch unsinnig, zeitgleich mit dem Relaunch der Sendung „Gottschalk Live“ deren vorzeitiges Ende zu beschließen.“ Den Berichten zufolge soll die WDR-Intendantin jedoch als Einzige vorbehaltlos hinter der Sendung stehen.

Die Intendantinnen und Intendanten haben laut ARD „ausdrücklich keine Entscheidung getroffen, die Sendung zu beenden und von dem vertraglich vorgesehenen Sonderkündigungsrecht Gebrauch zu machen“, hieß es. Wie dieses genau aussieht, ließ die ARD offen. Den Berichten zufolge darf die ARD aussteigen, wenn Gottschalk bis zum 20. April nicht zehn Prozent Marktanteil im Durchschnitt erreicht hat. „Einem Beschluss, „Gottschalk Live“ zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu beenden, hätte ich widersprochen“, ergänzte NDR-Intendant Lutz Marmor. „Der Relaunch ist notwendig und sinnvoll. Dabei werden wir Thomas Gottschalk unterstützen. Die Ergebnisse gilt es ohne Hektik zu bewerten.“ Die Montags-Schalte, ergänzte die ARD, habe beschlossen, „der Sendung Raum zur Weiterentwicklung zu geben“.

Bereits am Mittwoch hatte es Irritationen rund um Gottschalk gegeben, der seit 23. Januar viermal die Woche live um 19.20 Uhr auf Sendung ist. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ hatte berichtet, dass die ARD den Vertrag „an den Kontrollgremien der Sender vorbei mit der Degeto, der Filmeinkaufsorganisation der ARD, eingefädelt“ habe, ähnlich wie im Fall Harald Schmidt im Jahr 2004. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) wies diese Darstellung zurück: „Maßgeblich für die Frage, ob die Gremien einzubinden sind, ist die Frage, ob der WDR sachlich und finanziell verpflichtet ist, das heißt ob Verträge aus Gebührenmitteln finanziert werden“, teilte der Sender mit. Beides sei nicht der Fall. Der WDR zahle „keinen Cent aus Gebührenmitteln“. Die Finanzierung erfolge nur aus Werbeeinnahmen, die Verantwortung liege damit bei den Werbetöchtern.

„Gottschalk Live“ begann vor zwei Monaten mit 4,34 Millionen Zuschauern. Danach war das Publikumsinteresse rasant geschwunden. Mit Markus Peichl, der schon Redaktionsleiter bei Reinhold Beckmanns Abend-Talk war, holte sich die ARD Anfang März einen erfahrenen TV-Macher ins Boot, um der Sendung zu neuem Schwung zu verhelfen. Nach Information der Zeitung „Münchner Merkur“ (Donnerstag) liegen in der Redaktion der TV-Sendung angesichts der Spekulationen die Nerven blank. Es mache ihn „traurig und wütend“, wie manche in der ARD mit Thomas Gottschalk umgingen, zitierte die Zeitung den verantwortlichen Redakteur Carsten Wiese. „Keiner redet die Quote schön, aber man sollte dem Format doch die Chance geben, sich nach dem Relaunch zu entwickeln.“

Doch zunächst ist kein rascher Aufschwung in Sicht: Am Dienstag schalteten 1,21 Millionen Zuschauer ein, am Mittwoch 1,22 Millionen - in beiden Fällen weniger als fünf Prozent Marktanteil. Als Gottschalk noch „Wetten, dass..?“ fürs ZDF moderierte, interessierten sich zehnmal so viele Zuschauer für ihn.