Fluch auf der Costa-Reederei

"Allegra"-Passagiere werden aus der Luft versorgt

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Ina-Maria Niessler

Rund 1000 Menschen auf dem havarierten Kreuzfahrtschiff "Costa Allegra" sind ohne Strom. Lebensmittel aus Helikopter abgeworfen.

Rom/Hamburg. Wenigstens ein karges Frühstück, wenn auch ohne warme Getränke, haben die Passagiere auf dem havarierten Kreuzfahrtschiff "Costa Allegra" am Dienstag erhalten. Ein Hubschrauber brachte zudem Satelliten-Telefone, Lebensmittel, Taschenlampen und andere Ausrüstung. Dank eines Notaggregats gibt es zwar Licht an Bord, aber Klimaanlage und Küchen sind ohne Strom. Toiletten funktionieren nicht. Da wegen der ausgefallenen Stromversorgung Kochen und Backen nicht möglich ist, soll am Mittwoch auch frisches Brot per Helikopter angeliefert werden.

Gute Ratschläge von der Genueser Reederei Costa Crociere gab es jedoch auch: "Nachts wird es für die Passagiere am besten sein, draußen auf dem Deck zu bleiben", bereitete Giorgio Moretti die Gäste auf weitere Nächte ohne Strom und Klimaanlage vor.

Im Maschinenraum des 2006 renovierten Luxusliners war am Montag ein Feuer ausgebrochen, dessen Ursache noch nicht geklärt ist. Das Schiff trieb manövrierunfähig im Indischen Ozean südwestlich der Seychellen. Der Brand wurde schnell unter Kontrolle gebracht: "Das Feuer hat sich in keinen anderen Bereich des Schiffes ausgebreitet, es hat weder Verletzte noch Opfer gegeben", hieß es von der Reederei.

Zum Schutz vor Piraten begleiten Militär und Küstenwache das Schiff

Dennoch ein Albtraum für 636 Passagiere aus 25 Ländern, darunter 38 aus Deutschland, und 413 Crewmitglieder, nachdem erst vor wenigen Wochen die "Costa Concordia" derselben Reederei vor der toskanischen Küste gekentert ist, was mindestens 25 Menschen das Leben kostete. Doch diesmal hat der Kapitän alles richtig gemacht, hat sofort während der Fahrt von Madagaskar einen Hilferuf abgesetzt und kommuniziert seitdem mit den zuständigen Schifffahrtsbehörden. Lob kommt von Admiral Felicio Angrisano, Chef des Hafenamtes in Genua: "Das war ein Beispiel dafür, wie wirksam das Sicherheitssystem ist. Das Feuer wurde rasch gelöscht, das Schiff gesichert."

Mittlerweile sind der französische Thunfischtrawler "Trevignon" und zwei Schlepper der "Costa Allegra" zu Hilfe geeilt. Die Wetterbedingungen sind gut. Im Schlepptau bringen sie das Schiff, dessen Bordapparatur im Notbetrieb funktioniert, bis morgen zur Seychellen-Hauptinsel Mahé. Dort soll es im Hafen von Victoria anlegen. Zwischen Kokospalmen und Teeplantagen gibt es dann die Möglichkeit zum Duschen und einen Flughafen für jene, die ihre Reise nicht mehr fortsetzen wollen. "Port Victoria ist einer der Häfen am Indischen Ozean, die am häufigsten angelaufen werden. Hier legen ständig Kreuzfahrtschiffe, große Frachter und Kriegsschiffe aus aller Welt an. Wir kriegen das schon hin", äußerte sich die Sprecherin des Präsidenten, Srdjana Janosovic, zuversichtlich.

Wie viele Passagiere ihren Urlaub auf der wegen ihrer großen Glasfronten auch "Kristallschiff" genannten "Costa Allegra" abbrechen oder nur unterbrechen wollen, ist nach Angaben der Reederei noch nicht klar. Die restliche Reisezeit hätte noch knapp zwei Wochen betragen. Den Urlaubern sei angeboten worden, sie von Mahé sofort nach Hause zu bringen.

Küstenwache und Militär der Seychellen begleiten den Kreuzfahrer, denn im Indischen Ozean greifen immer wieder Piraten Schiffe an und entführen die Besatzung. Zudem fahren an Bord neun bewaffnete Mitglieder einer italienischen Marineeinheit mit. Ursprünglich sollte die "Costa Allegra" zu der näher gelegenen Insel Desroches geschleppt werden. Doch ist dort der Anleger für solche Schiffe nicht geeignet und mangelt es an Übernachtungsmöglichkeiten für Hunderte Menschen, erklärte das Unternehmen.

Das zweite Unglück innerhalb kürzester Zeit hatte die Aktien der Costa-Muttergesellschaft Carnival zwischenzeitlich um zwei Prozent fallen lassen. Das Papier der weltgrößten Kreuzfahrt-Reederei hatte sich bis Dienstag aber wieder gefangen.