Tochter eines Mordopfers berichtet von Missbrauch

Wiesbaden. "Ich schäme mich, das zu sagen. Kann ich das auch aufmalen?", fragt die elf Jahre alte Zeugin in die Videokamera. Das Gerät überträgt ihre Worte aus einem Nebenraum in den Verhandlungssaal des Wiesbadener Landgerichts, wo ihr Stiefvater, 39, auf der Anklagebank sitzt. Er soll ihre Mutter erstochen haben. Das Kind entdeckte die blutüberströmte Leiche.

"Ja, du darfst das auch aufmalen", sagt der Vorsitzende Richter Rolf Vogel. Dann schreibt die Elfjährige auf ein Blatt Papier. Die Dolmetscherin, die der jungen Türkin hilft, liest die Worte vor. Der Stiefvater habe dem Mädchen und seiner Schwester, 13, Pornofilme gezeigt und sie zum Oralsex gezwungen. "Es ist ziemlich häufig passiert. Wir mussten deswegen würgen und brechen."

Die Zeugin berichtet auch von Gewalt gegen ihre Mutter. In diesem Punkt sind die Beweise gegen den Angeklagten dünn. Der Missbrauchsvorwurf ist dem Gericht neu. Der Staatsanwalt kündigte Ermittlungen an.