Erdbeben im Westen Chinas

Tibeter warten auf Hilfe

Peking. Beim Einsatz für die Erdbebenopfer im Westen Chinas geht es um mehr als nur Nothilfe. In dem armen Hochland leben vor allem Tibeter, die keineswegs den kommunistischen Staats- und Parteichef Hu Jintao (67) in Peking verehren - sondern vielmehr den Dalai Lama (74), das im Exil lebende religiöse Oberhaupt des tibetischen Volkes.

Nicht erst seit den blutigen Unruhen vor zwei Jahren in Tibet gilt die Region als Unruheherd, obwohl das große Leid und die Zerstörung durch das schwere Beben am Mittwoch die politischen Zwistigkeiten in den Hintergrund drängen. Eine erfolgreiche Erdbebenhilfe könnte den Chinesen aber verlorene Sympathien unter Tibetern zurückbringen. Dennoch lief sie nur schleppend an. Grund dafür sind allerdings logistische Probleme. Auch starker Wind und eisige Temperaturen erschwerten die Rettungsbemühungen. Angeblich sind 10 000 Helfer im Einsatz. Ausländische Angebote lehnte China aber offenbar ab. Tausende Überlebende bereiteten sich auf eine zweite Nacht im Freien bei Minusgraden vor.

Der Erdstoß in der Provinz Qinghai (Stärke 7,1) kostete nach Behördenangaben 617 Menschen das Leben. Mehr als 9100 Menschen wurden verletzt und etwa 300 werden vermisst. Angesichts schwerer Zerstörungen wurde ein Anstieg der Opferzahlen befürchtet. Etwa 15 000 Gebäude sind eingestürzt, mehr als 100 000 Menschen wurden obdachlos, und das in einer der unwirtlichsten Regionen der Welt. Besonders schlimm betroffen ist die Stadt Jiegu, wo nach Angaben der Behörden 85 Prozent der Gebäude - die meisten aus Lehm und Holz - eingestürzt sind.