Jeff Bridges

Seine Liebe ist schon einen Oscar wert

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Der "am häufigsten unterschätzte Schauspieler" sprach kurz vor der Oscar-Verleihung mit dem Abendblatt - am meisten über seine Frau Sue.

Los Angeles. Es war der Moment, der sein Leben für immer verändern sollte. "33 Jahre ist das jetzt schon her", sagt Hollywood-Star Jeff Bridges und scheint sich selbst zu wundern, wie schnell die Zeit vergeht. "Ich drehte auf einer sogenannten Dude-Ranch in Montana einen kleinen Independent-Film. Beim Lunch in der Kantine sah ich sie dann. Sie ist heute wie damals die schönste Frau, die ich jemals getroffen habe."

Wenn Bridges (60) von der ersten Begegnung mit seiner Frau Sue (55) erzählt, wie jetzt im Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt in Berverly Hills, dann kommt der "am häufigsten unterschätzte Schauspieler in Hollywood" (Zeitschrift "Variety") schnell ins Schwärmen. Er redet gern über seine Frau, von ihrem Einfluss auf seine Arbeit, sein Leben. Er nennt sie seinen "Ruhepol, seine große Liebe". Dabei wirkt Bridges entspannt, glücklich, zufrieden. Wie mit sich und seinem Leben.

Für die Vorstellung in seinem neuen Streifen "Crazy Heart" - darin spielt er den abgehalfterten Countrysänger "Bad Blake" - wird Bridges höchstwahrscheinlich am kommenden Sonntag einen Oscar erhalten. Es wäre der erste große Sieg nach fünf Nominierungen in einer mehr als 30 Jahre langen Karriere.

Darauf angesprochen, lehnt er sich zurück, streift sich durch sein dichtes Haar und atmet tief durch. "Die Nominierung ist eine schöne Bestätigung meines Jobs, aber viel mehr freue ich mich darauf, in nächster Zeit endlich ein bisschen weniger zu arbeiten." Denn elf der vergangenen zwölf Monate "war ich kaum zu Hause und immer auf irgendwelchen Sets unterwegs", fährt Bridges fort.

Jeff Bridges ist gefragt in Hollywood. Das war schon immer so. "Ein großartiger Schauspieler mit unglaublichem Repertoire", sagt Maggie Gyllenhaal (32), die weibliche Hauptdarstellerin in "Crazy Heart". Ob nun als "Dude" (Städter) in dem Kultfilm "The Big Lebowski" oder als reicher Pferdebesitzer in "Seabiscuit": Jeff Bridges hat noch nie eine artistische Herausforderung gescheut. Er spielt in kommerziellen Erfolgsfilmen wie "Iron Man" genauso gern mit wie in anspruchsvollen künstlerischen Streifen wie "Fisher King" oder "Sympatico". "Die Schauspielerei war für mich immer auch eine Reise ins eigene Ich. Experimentieren gehört für mich dazu", erklärt der Hollywoodstar.

Zu Hause, das ist für den Amerikaner, der in Los Angeles geboren wurde, heute Santa Barbara, nördlich von Los Angeles gelegen. Der Ort wird oftmals wegen seiner atemberaubenden Schönheit auch die kalifornische Riviera genannt. US-Talklady Oprah Winfrey (56) lebt hier, in der Nachbarschaft wohnen Kevin Costner (55) und Kultautor T.C Boyle (61). Hier, in der wohlhabenden Gemeinde am Pazifischen Ozean, ist Bridges nicht nur als Superstar, sondern auch als aktives Mitglied einer alt eingesessenen Künstlergemeinde bekannt. Schon sein Vater, Lloyd Bridges (* 85), war ein bekannter TV-Star in den USA; sein Bruder Beau (68) arbeitet ebenfalls in der Kinobranche, liebt Musik. Nur deshalb nahm Jeff Bridges überhaupt die Rolle als "Bad Blake" in "Crazy Heart" an. "Ich wollte unbedingt selbst Gitarre spielen und singen", so Bridges, der ab und zu mit einer lokalen Band in kleinen Klubs in und um Santa Barbara herum auftritt.

Neben der Musik sind es die Fotografie und die Malerei, die den Künstler bei guter Laune halten. "Ich finde es herrlich, mit der Kamera durch die Gegend zu laufen und die Menschen und das Leben um mich herum zu fotografieren", sagt Bridges, der trotz seines Ruhms ein "bodenständiger Kerl geblieben ist", wie sein alter Weggefährte, der Regisseur Gary Ross, über ihn sagt. Wie "bodenständig" ist Bridges wirklich? Nun, kurz vor dem Ende des Interviews zieht "The Dude" sein Portemonnaie aus der Hosentasche und bringt ein altes Foto zum Vorschein. Darauf zu sehen ist ein Mann, der eine hübsche junge Frau an einem Tisch anspricht. Es sieht nach junger Liebe aus.

"Das Foto", sagt Bridges mit einem Lächeln im Gesicht, "zeigt meine erste Begegnung mit meiner Frau in Montana. Ein Produktionsassistent hatte es gemacht und mir zugeschickt. Wer hat so etwas schon, ein Foto von der ersten Begegnung mit seiner zukünftigen Lebenspartnerin?" Und spätestens in diesem Augenblick wird deutlich, dass für Jeff Bridges die Liebe zu seiner Frau Sue unendlich größer ist als jede kleine goldene Statue.