Kirche

Gegen mittelalterliche Erlebnisgastronomie

Neue Bauprojekte bei Wechselburger Benediktinern.

Wechselburg. Die Anlage von Kloster und Schloss Wechselburg ist beeindruckend. Verschiedene Bauten, grundgelegt in der Romanik, im Barock maßgeblich neu gestaltet, gruppieren sich um die Basilika. Das romanische Gotteshaus mit seinem beeindruckenden Lettner ist eine der großen Wallfahrtskirchen im Bistum Dresden-Meißen.

Die malerisch im Tal der Zwickauer Mulde gelegene Anlage hatte es auch Benediktinern der bayerischen Abtei Ettal angetan. Anfang der 1990er Jahre gründeten sie hier ein neues Kloster. In ihrem Bildungshaus für Familien und Jugendliche wollen sie Orientierung geben, Raum für Ruhe und Besinnung schaffen. Ihre Angebote sind stark nachgefragt. Mehr als 9.000 Übernachtungen pro Jahr, davon 90 Prozent durch Gäste aus Sachsen, sind der Beleg.

Zu den traditionellen Wallfahrten kommen unterschiedliche Angebote für Einkehrtage, insbesondere die Wechselburger Samstage. Die Teilnehmer beten einen Tag mit den Benediktinern und denken mit ihnen über ein Thema nach. Ebenso beliebt sind die vierteljährlich stattfindenden Jugendvespern. Außerdem gibt es regelmäßig Konzerte in der Kirche, Führungen und Informationsveranstaltungen.

Die Kulisse für ein mittelalterlich anmutendes Event möchten die Benediktiner allerdings nicht sein. Deshalb reagierten sie sofort, als ein Investor genau das – nostalgische Erlebnisgastronomie – in dem leerstehenden Torhaus, das die Basilika zum Marktplatz hin abschottet, plante.

Dem Förderverein des Klosters gelang es, den Vorbesitzer mit einer Alternative zu überzeugen. Der mit rund 200 Mitgliedern bundesweit noch relativ kleine Verein brachte die fünfstellige Kaufsumme zusammen. Er erwarb die beiden halbverfallenen Gebäude und erarbeitete ein Sanierungs- und Nutzungskonzept. Jetzt sucht er Helfer bei der Umsetzung. Klosterladen und Heimatmuseum sollen im Haus bleiben, ein Klostercafe dazu kommen. Das ist nach Angaben der Benediktiner ein erster Schritt, der bis kommende Ostern zu verwirklichen ist.

Außerdem sollen Ferienwohnungen entstehen. Für die vier exklusiv geplanten Maisonetten direkt über dem Torbogen sollen noch Paten gefunden werden. Mit deren Engagement sollen die etwa 250.000 Euro an erforderlichen Eigenmitteln abgesichert werden. Den Rest der auf etwa 800.000 Euro geschätzten Gesamtkosten hofft der Verein über Fördergelder abzudecken.

Dabei kann er auf breite politische Unterstützung rechnen. So waren die CDU-Abgeordneten der Region im Landes-, Bundes- und Europaparlament schon da, haben Lage und Pläne begutachtet und ihre Unterstützung zugesagt. Während die Wechselburgs Bürgermeisterin Renate Naumann und der Landtagsabgeordnete Thomas Schmidt schon heute voller Lob für die durch das Kloster gewachsene touristische Attraktivität des Ortes sind, rechnen der Bundestagsabgeordnete Marco Wanderwitz und der Europaabgeordnete Peter Jahr mit weiteren Bauvorhaben.

Obwohl die Ordensniederlassung mit sechs Mönchen relativ klein ist, wird der Platz im bisher genutzten Neuen Schloss wegen ihrer vielen Programmangebote bereits eng. Irgendwann muss nach ihrer Einschätzung das Alte Schloss saniert und bezogen werden. Der Bau gehört dem Landkreis und steht nach dem Auszug einer Kinderpsychiatrie seit 2005 leer.

Eine Sanierung ist allerdings dringend erforderlich. Eine vom Kloster in Auftrag gegebene Studie zeigt, wie die Angebote des Bildungshauses hier modern erweitert werden könnten. Auch die Ordensbrüder hätten ihren notwendigen klösterlichen Rückzugsraum. Doch das ist noch Zukunftsmusik. Benediktinerklöster müssen sich traditionell selbst tragen. Die Sanierung des Alten Schlosses würde nach bisherigen Schätzungen jedoch um die zwölf Millionen Euro kosten.