Millionenschatz versteckt

Der Jahrhundertdieb schweigt - und wird zum Helden

Paris. Er sitzt im Knast, der Großteil seiner Beute ist futsch, doch er bleibt für viele ein Held. Denn Toni M., der gewaltfreie "Jahrhundertdieb" von Lyon, hält weiter einen Millionenschatz versteckt. Und seine absehbar kurze Haftstrafe hat er offenbar einkalkuliert, um hinterher unbehelligt seinen Coup genießen zu können. "Endlich mal ist es nicht der Staat, der die Franzosen bestiehlt, sondern umgekehrt", sagte ein Rentner dem Institut Mediascope, das Reaktionen von Medienkonsumenten misst. Und eine Studentin erklärte: "Im Vergleich zu den Chefs, die eine Firma gegen die Wand fahren und mit einem goldenen Handschlag gehen, schockiert mich das nicht."

Der Geldtransport-Fahrer war am 5. November mit 11,6 Millionen Euro der Zentralbank verschwunden. Flugs feierte ihn die Internetgemeinde als "Fahrer des Jahres". Zwar stellte die Polizei zwei Tage später rund 9,1 Millionen Euro aus der Beute sicher. Doch M. blieb verschwunden und schien mit dem Rest über alle Berge. Bis er plötzlich am 16. November mit einem schweren Motorrad nach Monaco fuhr und sich der Polizei des Fürstentums stellte. Seit Mittwoch sitzt M. in Isolierhaft im Lyoner Gefängnis Corbas - und schweigt. Über die restlichen zweieinhalb Millionen Euro Beute verliert er kein Wort. "Das ist ein Häftling, wie wir es wünschen", sagt ein Wachbeamter. "Wir haben kein Problem mit ihm. Er zeigt keinerlei Anzeichen psychischer Zerbrechlichkeit." Im Gegenteil: Alles scheint kalkuliert. Weil er keine Gewalt einsetzte, drohen M. maximal drei Jahre Haft wegen schweren Diebstahls. Bei guter Führung könnte er nach zwei Jahren draußen sein. "Da hat er ein gutes Geschäft gemacht", sagte eine Sekretärin zu Mediascope. Eine andere Frau hob die "großen Werte dieses Herrn" hervor: "Ich bewundere ihn. Seine gestohlenen Millionen hat der "ehrliche Toni" vermutlich im ehemaligen Jugoslawien versteckt. Aber sicher ist das nicht. Als er bei der Polizei in Monaco vorfuhr, kam M. aus Richtung Italien. Die Staatsanwaltschaft geht von einem knallhart kalkulierten Verbrechen aus.