Zölibat: Aufstand gegen den Vatikan

Der erste Priesterstreik

Halleluja! In der katholischen Kirche geht es jetzt also schon zu wie im Hamburger Kindergarten: Es wird gestreikt.

Jedenfalls in der Zentralafrikanischen Republik, irgendwo zwischen Tschad, Sudan und Kongo. Dort haben die Priester beschlossen, weder Gottesdienste zu feiern, noch Sakramente zu spenden. Das heißt: Auf die zweite Hälfte des Benediktiner-Leitspruchs Ora et labora ("Bete und arbeite") wird verzichtet.

Nach Ansicht des Papstes aber hätten sich die Geistlichen viel früher in Verzicht üben sollen - und zwar beim Sex. Eine eigens eingesetzte Vatikan-Kommission war nämlich zu dem Schluss gekommen, dass viele Priester in dem kleinen Land (vier Millionen Einwohner) unter einer Decke stecken. Und die gehört der jeweiligen Geliebten.

Die örtlichen Priester sahen die Vorwürfe als Streikgrund. Sie klagten, die Untersuchung sei nicht fair. Auch weiße Geistliche verstießen gegen das Gebot der Keuschheit.

Hierzulande glauben die Priester - allerdings nicht an die Abschaffung des Zölibats, wie dieser alte Priesterwitz zeigt: "Wir werden es nicht mehr erleben, dass wir heiraten dürfen", sagt der eine. "Nein, aber unsere Kinder", sagt der andere.

Dabei ist uns die Dritte Welt mit diesem Fall aus Zentralafrika gewissermaßen voraus: Halten doch laut einer aktuellen Forsa-Umfrage 88 Prozent der Deutschen wenig von der priesterlichen Zwangs-Ehelosigkeit. Schließlich soll ein Priester den Menschen nah sein.

Manchmal ist der Zölibat eben nur ein frommer Wunsch. Und zu den Schlagzeilen von Priestern, die ab und an in der Einliegerwohnung der Haushälterin verkehren, fällt einem oft nur noch ein: "Oh Gott, Herr Pfarrer."

Noch heftiger treibt es offensichtlich ein polnischer Franziskanermönch, der - um Himmels willen - gerade eine Art katholisches Kamasutra veröffentlicht hat. Titel: "Sex, wie Sie ihn nicht kennen: für verheiratete Paare, die Gott lieben." Vermutlich war der Herr ob der Geschichten, die er sich im Beichtstuhl anhören musste, kurz davor, gelangweilt das Zeitliche zu segnen. Deshalb predigt er jetzt: "Versuchen Sie, Langeweile wie bei einem Amateur-Fußballspiel zu vermeiden." Amen.

Ob die Kollegen in Zentralafrika das Buch kennen, ist nicht bekannt. Jedenfalls ist ihre Erregung gestern etwas abgeklungen. Nach zwei Tagen wurden die Kirchen wieder geöffnet. Streik beendet.