Gaza: Festnahmen nach Attentat

Hamas nimmt 120 Fatah-Anhänger fest

Nach einem Bombenanschlag mit sechs Toten droht im Gazastreifen eine neue Eskalation zwischen der radikalislamischen Hamas und der rivalisierenden Fatah-Bewegung.

Nach Fatah-Angaben nahmen Hamas-Sicherheitskräfte am Sonnabend über 120 Anhänger der Fatah fest. Die Hamas macht die Organisation von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas für den Anschlag vom Freitagabend verantwortlich. Bei der Bombenexplosion in der Nähe des Strands von Gaza wurden fünf Mitglieder des bewaffneten Arms der Hamas, der Essedin-el-Kassam-Brigaden, sowie ein fünfjähriges Mädchen getötet. Tausende aufgebrachte Hamas-Anhänger folgten am Sonnabend dem Beerdigungszug für die Getöteten.

Etwa 22 weitere Menschen wurden verletzt, als nach Angaben von Augenzeugen ein Sprengsatz nahe dem Auto der Männer explodierte. Einer der Männer erlag nach Angaben der Rettungskräfte erst im Krankenhaus seinen Verletzungen. Nach dem Anschlag nahmen Hamas-Sicherheitskräfte Dutzende Fatah-Anhänger fest. Nach Fatah-Angaben wurden außerdem zahlreiche Büros der Organisation durchsucht sowie Computer und Akten beschlagnahmt. Die Hamas-Regierung berief eine Krisensitzung ein.

ARD-Kameramann festgenommen

In Rahmen der Großrazzia wurde auch ein palästinensischer Kameramann des ARD-Fernsehens festgenommen. Wie Augenzeugen berichteten, drangen Mitglieder der Sicherheitskräfte der Hamas am frühen Sonnabendmorgen in die Wohnung von Sawah Abu Saif ein und führten ihn ab. Auch der Laptop und das Mobiltelefon des Kameramannes seien beschlagnahmt worden, sagten Familienangehörige.

Der Leiter des ARD-Büros in Tel Aviv, Richard C. Schneider, erklärte, seit der Festnahme sei jeder Kontaktversuch mit dem Kameramann fehlgeschlagen.

Vorwürfe von beiden Seiten

"Die Fatah-Bewegung steckt hinter diesem verwerflichen Verbrechen", sagte Chalil el Haja von der Hamas bei der Beerdigung der Toten, an der am Sonnabend tausende Menschen teilnahmen. Manche schossen mit Feuerwaffen in die Luft und forderten Rache für die Toten. Die Essedin-el-Kassam-Brigaden beschuldigten in Anspielung auf die Fatah "Gruppen, die mit dem Feind aus dem Gazastreifen geflohen sind". Ein Hamas-Sprecher sagte mit Blick auf die Fatah, seine Organisation habe Informationen darüber, dass "einige Elemente" Bombenanschläge gegen die Hamas und ihre Führer vorbereiteten, um Chaos zu verbreiten.

Die Fatah wies den Vorwurf zurück. In einer von Abbas' Büro veröffentlichten Erklärung hieß es, die Fatah habe nichts mit der "geheimnisvollen Explosion" zu tun. Der bewaffnete Arm der Hamas habe die Bombe nach internen Konflikten selbst gelegt.

Der Anschlag war der schwerste Gewaltausbruch im Gazastreifen seit dem im Juni in Kraft gesetzten, brüchigen Waffenstillstand zwischen der Hamas und Israel. Zuvor war am Freitag bei einer Explosion in einem Cafe in Gaza ein Selbstmordattentäter ums Leben gekommen. Außerdem detonierte ein Sprengsatz vor dem Haus eines Hamas-Mitglieds.