Sie liebte ihr Land, den Gin und das Leben

QUEEN MUM Sie starb nur wenige Wochen nach dem Tod ihrer Tochter Margaret. Die alte Dame war die Lieblingsgroßmutter der Briten. London HA "Irgendwie dachte ich nie, dass das geschehen würde", sagte der britische Thronfolger Prinz Charles am Ostermontag im britischen Fernsehen, als er seine Großmutter "Queen Mum" würdigte. Die Königinmutter war am Sonnabend im Alter von 101 Jahren im Beisein ihrer Tochter, Königin Elizabeth II., gestorben. "Sie schien so wunderbar unaufhaltsam zu sein. Und seit ich ein Kind war, habe ich sie geliebt", sagte der Prinz. "Sie war die wunderbarste Großmutter, die man haben konnte. Und ich war ihr völlig ergeben." "Das Ende einer Ära": Dies ist der in allen Medien ständig wiederholte Satz, das ist das vorherrschende Gefühl in Großbritannien. Niemand weiß genau, was nun kommen wird. Auf Königin Elizabeth II. lastet die Aufgabe, die schwierige Familie zu disziplinieren und das Ansehen der Monarchie in der Öffentlichkeit zu wahren. Gütig, leutselig, stets lächelnd, diszipliniert und völlig unbesiegbar: So haben die Briten die Königinmutter gemocht. Aber sie war keineswegs nur die Oma der Nation, deren Kleider mit zunehmendem Alter immer pink- und bonbonfarbener wurden. Die Mutter der britischen Königin war immer hart gegen sich selbst und vor allem gegen andere. Sie gab gerne den Ton an - so zerbrechlich sie auch mit ihrem Gehstock erscheinen mochte. Sie war Königin wider Willen. Und dass Edward VIII. im Dezember 1936 nach nur elf Monaten auf dem Thron wegen seiner Liebe zur geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson abdankte, hat sie weder ihm noch Simpson jemals verziehen. Mit eisiger Kälte und einer De-facto-Verbannung Edwards in eine Art "Exil" nach Frankreich rächte sie sich dafür, dass ihr Mann als jüngerer Bruder Edwards - unter dem Namen George VI. - König werden musste. Sie wusste, dass er darunter litt: Ein schwer gehemmter Mann, ein Stotterer, für den öffentliche Reden eine Pein waren. Dass sich "Queen Mum" so großer Verehrung erfreute und als das beliebteste Mitglied des Königshauses galt, beruht vor allem auf ihrem Auftreten während des Zweiten Weltkriegs. Sie, die jahrelang das privilegierte Leben einer höheren Tochter des schottischen Landadels genossen hatte und auch im Buckingham-Palast als höchst party- und tanzfreudig auffiel, wandelt sich angesichts deutscher Luftangriffe auf London zur Kriegsteilnehmerin. Das Auftauchen der Königin im zerbombten Londoner East End, das Posieren inmitten von Trümmern des Buckingham-Palasts, das Besuchen von Bunkern und Unterständen ließ sie fast wie eine Kriegsheldin erscheinen. Noch heute wird sie gefeiert, "als habe sie ganz alleine den Zweiten Weltkrieg gewonnen", spottete der "Guardian" einmal. Heute nun wird ihr Sarg in die Queen's Chapel des St.-James's-Palastes gebracht. Am Mittwoch tritt das Parlament zu einer Trauersitzung zusammen. Am Freitag wird der Sarg auf einer von Pferden gezogenen Geschützlafette in die Westminster Hall gebracht. Dort kann die Öffentlichkeit bis Montagabend an dem Katafalk vorbeidefilieren. Am Dienstag (9. April) findet dann der Trauergottesdienst in der Westminster-Abtei statt. Anschließend wird der Sarg nach Windsor gebracht und dort in der Königsgruft der St.-Georg's-Kapelle neben dem vor 50 Jahren gestorbenen König Georg VI. beigesetzt. Queen Mum hinterlässt vor allem ihren Ur-Enkeln ein beträchtliches Erbe. Ihr privates Vermögen wird auf knapp 97 Millionen Euro geschätzt. Prinz Charles wird möglicherweise aus dem St.-James's-Palast in London, den er jetzt bewohnt, in das benachbarte Clarence House, den bisherigen Wohnsitz der Königinmutter, umziehen.

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