Grand Prix: Deutschland Letzter - "Robbie Williams des Ostens" siegt mit US-Hilfe

Das Desaster der Null Angels

Der Russe Dima Bilan klarer Sieger in Belgrad. Aber nur 14 Punkte für unsere Pop-Engel - und 40-mal gar nichts.

Belgrad. Sie glaubten fest an ihren Sieg und stürzten vom Himmel in die Hölle. Die No Angels ("Disappear") erlebten beim Eurovision Song Contest das größte Desaster ihrer Karriere. Belgrad, Sonntag früh um 2.30 Uhr: Lucy (32) sitzt im Foyer des Save-Kongresscenters auf einem Tisch und hält mühsam ihre Tränen zurück. Sie presst ihre Lippen zusammen, ihr Blick geht ins Leere.

Die rothaarige Sängerin kann es nicht fassen: 40-mal null "Points"! Zwölf der 14 Punkte kommen aus ihrer Heimat Bulgarien, wo Lucy in pder nationalen "Superstar"-Jury sitzt. Am Ende landet ihr Song mit den punktgleichen Polen und Briten auf dem letzten Platz. "Wir müssen jetzt das Beste daraus machen", seufzt die Sängerin aus Altona am Rande der Aftershowparty, zu der alle Engel tapfer erscheinen.

Auch die blonde Sandy (27) wirkt im Abendblatt-Gespräch ungewohnt ernst: "Ein absolut enttäuschendes Ergebnis! Unsere Performance war gut." Hat sie eine Erklärung für den Absturz? "Vielleicht hätten wir vorher im Ausland präsenter sein müssen. Das liegt aber nicht in unserer Hand", klagt sie.

Sandys Vorschlag: "Deutschland sollte schon im Halbfinale mit antreten und sich qualifizieren müssen, dann wäre die Rückendeckung im Finale größer!"Als größter Geldgeber ist Deutschland stets fürs Finale gesetzt. Die Sängerin: "Aber wer weiß, ob wir ein Halbfinale überhaupt überstanden hätten." Um 2.40 Uhr bringen Bodyguards die Sängerinnen zurück ins Hyatt-Hotel, Koffer packen. Um 6 Uhr geht schon der Flieger, zum nächsten Grand Prix, dem Formel-1-Rennen in Monaco.

Der Sieger von Belgrad, Russlands Superstar Dima Bilan (26, "Believe"), hatte bereits 2006 mit einem Bein auf dem Siegertreppchen gestanden, wurde aber noch von den Schockrockern Lordi aus Finnland überholt. Jetzt gewann er mit einer - vor 20 Jahren noch undenkbaren - russisch-amerikanischen Koproduktion. Bilan holte sich US-Komponist Timbaland (37, "Apologize") ins Boot, ließ auf der Bühne eine Eisfläche für Olympiasieger Jewgeni Pluschenko (25) bauen und engagierte einen ungarischen Geiger mit Stradivari.

Prominente Geldgeber, zu denen auch Ölmilliardäre gehören, hatten Bilan mit einer Werbekampagne für gut sechs Millionen Euro unterstützt. Ein Insider: "Die Russen wollten den Grand Prix um jeden Preis gewinnen." Unter anderem gab es in Aserbaidschan eine Gratis-Party für 20 000 Menschen.

Weltweit waren am Sonnabend mehr als 100 Millionen Zuschauer live dabei (auch Australien und Neuseeland), in Deutschland 6,38 Millionen, eine Million weniger als vor einem Jahr. Wie soll es 2009 weitergehen? Volker Herres, Programmdirektor NDR-Fernsehen: Wir werden in Ruhe analysieren, was sich besser machen lässt..."

Einen Grand-Prix-Erfolg kann Deutschland dennoch verbuchen: Die Hamburger Firma Procon Event Engineering hat mit rund 100 Mitarbeitern die Licht-, Ton- und Kameratechnik in der Belgrader Arena auf die Beine gestellt. Ein Auftrag für mehr als drei Millionen Euro. Jetzt bewirbt sich Procon um das Finale 2009 in Moskau.