Peggy ist tot - Der Täter hat gestanden

Vor 18 Monaten verschwand sie spurlos. Jetzt steht fest: Peggy (9) wurde vergewaltigt und ermordet

München. Nur die Hoffnung hielt Susanne Knobloch (31) aufrecht. Die Hoffnung, ihre Tochter Peggy wieder in die Arme nehmen zu können. Doch dieser Wunsch wird der Frau aus dem oberfränkischen Marktflecken Lichtenberg nicht mehr erfüllt. Gestern kam die Nachricht, vor der sich alle gefürchtet haben: Peggy ist tot. Das blonde Mädchen fiel einem Gewaltverbrechen zum Opfer. Der dringende Tatverdacht richtet sich gegen Ulv K. (24), einen geistig zurückgebliebenen Mann aus der Nachbarschaft. "Ulvi", wie ihn alle nannten, sitzt bereits seit August vergangenen Jahres in U-Haft, weil er mehrere Kinder aus dem Ort sexuell missbraucht haben soll. Auch im Fall Peggy legte er damals ein Geständnis ab. Doch die Beamten glaubten ihm nicht, zumal Ulv K. für den Tag von Peggys Verschwinden ein lückenloses Alibi hatte. Doch jetzt ist alles ganz anders. Der Mann, der in einer psychiatrischen Klinik untergebracht ist, legte nicht nur ein neues Geständnis ab ("Ja, ich habe Peggy umgebracht"), sondern verriet auch Einzelheiten. Ulv K., der das Mädchen mit bloßen Händen erwürgt haben will, schilderte in seiner Vernehmung ein entsetzliches Detail, das in dem Ort keiner glauben mag: "Mein Vater hat die Leiche beseitigt." Wo er das tote Mädchen versteckte, ist noch immer unklar. Der Vater schweigt. Die Beamten der Soko halten das Geständnis von Ulv K., der als Kind an einer Hirnhautentzündung erkrankte und seitdem den Verstand eines Kleinkindes besitzt, für glaubwürdig: "Wir haben keinen Zweifel daran, dass er die Wahrheit sagt." Ulvs Eltern hatten seit der Festnahme ihres Sohnes von einer Hetzjagd gegen einen Unschuldigen gesprochen. Seine Mutter sagte zu Reportern: "Wie hätte mein Sohn die Leiche so spurlos beseitigen sollen. Dazu war er geistig gar nicht in der Lage." Davon ging auch die Kripo aus - bis er jetzt seinen Vater mit in den Strudel des Verbrechens zog. Als Peggy am 7. Mai letzten Jahres auf dem Heimweg von der Schule verschwand, setzte eine beispiellose Suchaktion ein. Tornados der Bundeswehr stiegen mit Wärmebildkameras auf, Hundertschaften der Polizei durchkämmten die Wälder, Taucher suchten Weiher und Tümpel ab und Gräber auf dem Friedhof wurden geöffnet. Schließlich wurde die Fahndung auf das Nachbarland Tschechien ausgedehnt - und auf die Türkei. In Lichtenberg gab es keinen, der nicht irgendwie in das Visier der Ermittler geriet. Nicht einmal Susanne Knobloch, die Mutter, blieb davon verschont. Sie war es allerdings, die in den Tagen vor Peggys Verschwinden eine deutliche Wesensveränderung an ihrer Tochter feststellte: "Sie hat sich nicht mehr allein vor die Tür getraut." Seltsam. Vorher galt Peggy als ein überaus kontaktfreudiges Mädchen, das stundenlang im Dorf umherzog. Die Mutter: "Von der Kripo habe ich später erfahren, dass Ulv K. ausgesagt hat, Peggy vier Tage vor ihrem Verschwinden in seinem Zimmer vergewaltigt zu haben." Jetzt ist ihr klar, dass Peggy damals einfach Angst hatte. Angst vor ihrem "großen Freund", den sie ihr gegenüber niemals erwähnte, wohl aber ihrer Urgroßmutter davon erzählte. Der Polizei erzählte Ulv K., dass er aus Angst, Peggy würde die Tat verraten, sie auf dem Schulweg entführt und dann in einem Versteck erwürgt habe. Peggys Mutter ist von Lichtenberg in eine Nachbargemeinde gezogen. Dort wohnt sie allein mit ihrer zweiten Tochter Jasmin (4). Von ihrem türkischen Freund Ünal hatte sie sich unmittelbar nach Peggys Verschwinden getrennt.