Astrologie: Die meisten Prognosen für 2007 lagen voll daneben

Schwarzes Jahr für Hellseher

Ufos sollten vor dem Weißen Haus landen, Fürst Albert II. heiraten und ein echter King Kong auftauchen: Mathematiker hat 185 Vorhersagen geprüft.

Roßdorf. Der Kreml in Moskau in Flammen, ein Hollywood-Star erliegt dem Biss einer Giftschlange, Fürst Albert II. heiratet endlich, und Millionen Menschen sterben bei Terroranschlägen in den USA: Mit düsteren Prognosen wie diesen waren Wahrsager und Hellseher ins Jahr 2007 gestartet - und lagen nach einer Analyse der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung der Parawissenschaften (GWUP) in Roßdorf bei Darmstadt (Hessen) voll daneben. Auch die Ufo-Landung vor dem Weißen Haus blieb aus, die das kanadische Medium Nikki Pezaro vorhergesehen hatte. Die Wahrsagerin hatte auch prophezeit, dass Cannabis legalisiert werden würde und im Dschungel von Costa Rica ein Riesenaffe à la King Kong entdeckt werden würde. Gewagt war auch ihre Vorhersage für die Männermode: Danach hätten Männer großen Gefallen am Tragen von BHs finden sollen. Einzig die Prognose, dass Startenor Luciano Pavarotti (71) stirbt, traf im September ein.

Den Mainzer Mathematiker Michael Kunkel, der solche Weissagungen für die GWUP auswertet, wundert das nicht: "Die Zukunft ist nun einmal nicht festgelegt und lässt sich weder aus der Glaskugel noch aus den Sternen voraussagen." Kunkel überprüfte 2007 rund 185 Prognosen von Astrologen, Wahrsagern und Hellsehern. Sein Fazit: Sie konnten mit ihren Voraussagen keine Belege ihres Könnens liefern. Trotzdem verweise die Augurenzunft oft und gerne auf ihre hohe Trefferquote, die sich bei näherem Hinsehen allerdings schnell in Luft auflöse. So sei 2007 auch weder der Euro abgeschafft noch Cannabis legalisiert worden, wie dies die Astrologin Patricia Bahrani bereits vor Jahren angekündigt hatte. Der Einmarsch amerikanischer Truppen in den Iran blieb ebenso aus wie der alljährlich von mehreren Auguren prognostizierte Anschlag auf den US-Präsidenten. Traditionelle Lieblingsthemen der Wahrsagerzunft seien auch in diesem Jahr Naturkatastrophen, Terror und Kriege gewesen. Anders als im Jahr 2006, als sich die Branche gerne mit Vorhersagen zur Fußball-Weltmeisterschaft befasste, gab es 2007 allerdings keine besonderen Schwerpunkte, teilte die GWUP mit: Es überwogen allgemeine, unklare Aussagen, die sich nur schwer prüfen lassen. Beispiele für vage und schwammig formulierte Zukunftsprognosen habe es zuhauf gegeben. So las der Astrologe Martin Banger in den Sternen, dass Aufstände und Unruhen in den Niederlanden, Japan, Kanada, Libanon, Sri Lanka, Finnland, Philippinen, Rumänien, Ungarn, Polen und Saudi-Arabien denkbar seien. Elizabeth Teissier warnte, dass wir zwischen Mitte Januar und Mitte Oktober mit Veränderungen wie Naturkatastrophen, wirtschaftlichen Turbulenzen und Anschlägen rechnen müssten. Die unscharfen Formulierungen hätten für die Zunft einen großen Vorteil, sagt Kunkel. Da man so gut wie alles in sie hineininterpretieren kann, findet sich im Nachhinein immer eine Nachricht, die irgendwie auf die Prognose passt. Manche Hellseher, die für das Jahr 2004 ganz allgemein Erdbeben oder Naturkatastrophen vorausgesagt hatten, rühmten sich heute, die Tsunami-Katastrophe vorhergesehen zu haben. Einfach zu prüfen sind hingegen die Prognosen von Karsten Kröncke aus Freiburg. Er sagt seit Jahren voraus, ob der DAX an einem Handelstag steigt oder fällt. In den ersten elf Monaten 2007 belief sich seine Trefferquote nach Kunkels Analyse auf nicht einmal 47 Prozent - er hätte also ebenso gut würfeln können. Fehlende Geschäftstüchtigkeit könne man Kröncke allerdings nicht vorwerfen: Ein 35-seitiges astrologisches "großes Gutachten" kostet bei ihm 1700 Euro.

Was 2008 passieren wird, weiß auch Mathematiker Kunkel nicht - er sucht aber bereits nach Vorhersagen für das neue Jahr (Internet: www.wahrsagercheck.de).