Sensations-Fund: 11 000 Jahre altes Baby aus ewigem Eis geborgen

Forscher wollen Mammuts züchten

Nach Entdeckung in Sibirien: Wissenschaftler hoffen, mit der DNA bald neue Giganten zum Leben erwecken zu können.

London/Moskau. Werden irgendwann wieder Mammuts auf der Erde leben? Nach dem Fund eines 11 000 Jahre alten Mammut-Babys in Nordwestsibirien träumen die Wissenschaftler einmal mehr davon, die ausgestorbenen Giganten mit der DNA des toten Tieres zu neuem Leben zu erwecken.

Fest steht: Das Weibchen, das damals nur sechs bis zwölf Monate alt wurde, ist das besterhaltene Mammut, das bisher endeckt worden ist. Es war im Mai in Salekhard auf der nordwestsibirischen Halbinsel Yamal von dem Rentierhirten Yuri Khudi gefunden worden. Er benannte es nach seiner Ehefrau Lyuba.

Forscher sind sicher: Die im ewigen Eis mumifizierte Leiche war erst kürzlich der Luft ausgesetzt worden und lag auf der Seite - in derselben Haltung, in der das Tier damals gestorben war. Neben Beinen und Rüssel sind sogar die Augen und Teile des Fells erhalten. Das Wollhaarmammut ist 1,29 Meter groß und wiegt 50 Kilo. Sein abgebissener Schwanz deutet auf ein Gerangel mit einem Raubtier oder einem anderen Mammut hin. Ob das Tier daran starb, ist noch ungeklärt.

Alexi Tikhonov vom zoologischen Institut der russischen Wissenschafts-Akademie untersuchte das Tier als Erster. Er sagt: "Das Mammut hatte außer dem abgebissenen Schwanz keine Verletzungen." Und der Forscher jubelt: "Was den Erhaltungszustand betrifft, ist dies der wertvollste Fund der Welt!"

Mammuts sind enge Verwandte der heutigen afrikanischen und asiatischen Elefanten. Die Giganten mit ihrer dichten Behaarung und langen gebogenen Stoßzähnen entwickelten sich vor rund drei Millionen Jahren in Afrika und verbreiteten sich von dort aus bis Eurasien und Nordamerika, bis sie am Ende der letzten Eiszeit vor etwa 10 000 Jahren von der Erdoberfläche verschwanden. Kleine Herden existierten noch einige Tausend Jahre später auf isolierten Inseln.

"Es ist nicht selten, Teile einer Leiche zu finden, doch dies ist der umfassendste Fund, den es bisher gab", sagt Mammutexperte Dr. Adrian Lister vom Londoner Natural History Museum. Das Mammut-Baby wird jetzt nach Tokio transportiert, wo der exakte Todeszeitpunkt per Radiocarbon-Verfahren bestimmt werden soll. Die Forscher wollen zudem die inneren Organe und das Skelett röntgen. Weil die Leiche mumifiziert ist, ist das Verwesungsrisiko gering - und es bestehen beste Chancen auf die Erschaffung eines Klons. Dafür müsste der Nukleus einer Mammutzelle in die Eizelle eines Elefanten injiziert werden, der zuvor die eigene DNA entnommen wurde. Das Ei würde in der Gebärmutter eines Elefanten 21 Monate reifen.

Dr. Ian Barnes von der University of London würde zwar gerne Mammuts klonen, fürchtet aber, dass die DNA für ein Klonprojekt "nicht gut genug erhalten sein könnte". Außerdem fehle es an Lebensraum für die Giganten.