Das lange Sterben des "Tookie" Williams

Todesstrafe: Mörder und Kinderbuch-Autor hingerichtet. US-Stars baten vergebens um Gnade. Gouverneur Schwarzenegger blieb hart.

Washington. Stanley "Tookie" Williams (51), einer der bekanntesten Gefangenen der USA, starb einen langsamen, qualvollen Tod. Der Mitbegründer der Gang "Crips", der seit 24 Jahren wegen vierfachen Mordes in der Todeszelle des Gefängnisses von San Quentin (Kalifornien) saß, wurde um kurz nach Mitternacht durch eine tödliche Injektion hingerichtet. Die Wärter benötigten jedoch mehr als zwölf Minuten, bevor sie endlich die Kanüle, durch die der "Todescocktail" fließt, in eine Vene an "Tookies" Arm stechen konnten. Der Gefangene, der sich während der Haft zum Friedensaktivisten und Gang-Gegner gewandelt hatte, fragte einmal sichtlich frustriert: "Könnt ihr sie immer noch nicht finden?" Um 0.35 Uhr war er tot.

Vor dem Gefängnis protestierten 2500 Demonstranten gegen die Todesstrafe und für das Leben des Mannes, der auf Grund seiner radikalen Wandlung und seiner Bücher mehrmals für den Friedens- und Literatur-Nobelpreis vorgeschlagen worden war. Unter den Demonstranten waren die Friedesaktivistin Angela Davis, die Sängerin Joan Baez sowie die Hollywoodstars Mike Farrell und Sean Penn, der in dem Film "Dead Man Walking" selbst einen Todeskandidaten spielte. Während der letzten Jahre hatten sich zahlreiche Prominente aus Politik, Kirche und Showbusiness für das Leben des ehemaligen Gang-Anführers eingesetzt - unter ihnen auch Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu. Williams wurde vorgeworfen, 1979 innerhalb weniger Wochen, bei zwei Überfällen einen Supermarktangestellten und eine dreiköpfige asiatische Immigrantenfamilie in Los Angeles erschossen zu haben. Die Beute betrug damals rund 225 Dollar.

Die Kronzeugen in dem Prozeß 1981 waren zwei ehemalige Gangmitglieder "Tookies", die sich durch die Aussage gegen ihren Anführer selbst eine Mordanklage ersparten. Williams hat immer wieder seine Unschuld beteuert. Diese Haltung hat ihn vermutlich das Leben gekostet. Denn Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger, der den Todeskandidaten als letzte Instanz hätte begnadigen können, machte von diesem Recht keinen Gebrauch und warf "Tookie" vor, daß es "keine Gnade ohne Entschuldigung und Einsicht" geben könne. Williams, der in seinen Büchern Kinder vor Bandenkriminalität und Gewalt warnte und weltberühmt wurde, hatte eine Entschuldigung für die ihm zur Last gelegten Morde immer wieder abgelehnt. Der Gefangene: "Ich kann mich doch nicht für etwas entschuldigen, das ich nicht getan habe. Ich lüge nicht, auch, wenn es mich mein Leben kostet." Williams' Anwälte hatten vergangene Woche ein langes Gespräch mit Schwarzenegger, in dem sie um das Leben ihres Mandanten baten und erklärten, daß der ehemalige Gang-Leader bei seinem Prozeß äußerst schlecht juristisch vertreten worden sei.

Nach fünftägiger Überlegung gab der Gouverneur des bevölkerungsreichsten US-Staates knapp elf Stunden vor der für 0.01 Uhr (Ortszeit) angesetzten Hinrichtung seine Entscheidung bekannt, keine Gnade walten zu lassen. Während Williams' Unterstützer vor dem Gefängnis mit Plakaten wie "Laßt Tookie leben", "Beendet die rassistische Todesstrafe" und "Tookie, wir lieben dich" demonstrierten, wurde der Gefangene in die kleine achteckige Todeskammer gebracht.

Eine Gruppe Reporter, einige Freunde des Häftlings und auch Angehörige der Mordopfer verfolgten, wie Williams auf eine Liege geschnallt wurde. Einer der Zeugen sagte hinterher: "Der Todeskampf war sehr dramatisch. Er bewegte seinen Kopf fast die ganze Zeit, dann hat seine Bauchdecke mit einem Krampf massiv gezuckt. Er lag noch mehrere Minuten da, bis er schließlich starb."

Die Behörden befürchten Rassenunruhen nach der Hinrichtung. Williams hatte zuvor erklärt: "Es darf nach meiner Exekution keine Unruhen und keine Gewalt geben." Bisher blieb es ruhig.