Der Ebay-Professor

Online-Auktion: Ein Kölner Wissenschaftler erforscht den Marktplatz im Internet. Jetzt erhält er den Leibniz-Preis. Seine Tips für Bieter und Anbieter.

Köln. Drei, zwei, eins . . . meins! Ein Glücksgefühl, das Millionen Menschen verbindet, wenn sie im Internet-Auktionshaus Ebay den Zuschlag erhalten. Aber was bewegt uns eigentlich, andere per Mausklick wie in einem Rausch zu überbieten? Wie gewinnt man eine Online-Auktion mit möglichst geringem Geldeinsatz? Was ist die beste Strategie? Der Kölner Professor Axel Ockenfels (35) hat es erforscht. Mit Erfolg. Für seine bahnbrechende Arbeit mit Hilfe der sogenannten Spieltheorie erhält der junge Wirtschaftswissenschaftler am 2. März den Leibniz-Preis - den mit 1,55 Millionen Euro höchstdotierten deutschen Förderpreis.

Der Direktor des Energiewirtschaftlichen Instituts und des Laboratoriums für Experimentelle Wirtschaftsforschung der Universität Köln gilt als Kapazität auf dem Gebiet der Spieltheorie, die sich mit dem Verhalten der Menschen bei wirtschaftlichen Entscheidungen befaßt. Dabei wird die Marktwirtschaft als ein "Spiel" angesehen, die Handelspartner streben als "Spieler" einen höchstmöglichen Gewinn an. Seit zwei Jahren tüfteln Ockenfels und sein Team im Testlabor an den besten Strategien für Online-Auktionen. Die wichtigsten Erkenntnisse:

. Bieter hassen es - wie in Spielsituationen - die Auktion zu verlieren. Deshalb treiben sie den Preis oft irrational in die Höhe.

. Snipen, also das Bieten erst in den letzten Sekunden, macht aus strategischen Gründen Sinn. Konkurrenten haben in der Regel keine Chance mehr, ihr Gebot zu erhöhen. Der "Spätbieter" zahlt, wenn er den Zuschlag erhält, am Ende weniger als bei Abgabe eines frühen Gebots, das den Preis vorzeitig in die Höhe getrieben hätte.

. Verkäufer mit sehr vielen positiven Bewertungen können einen um bis zu zehn Prozent höheren Preis herausholen.

. Ebay-Nutzer mit weniger als zehn Bewertungen erzielen schlechtere Preise.

. Nur etwa die Hälfte aller Deals werden überhaupt bewertet.

. Viele Teilnehmer bieten stufenweise, obwohl das bei Ebay nicht nötig ist. Dort kann man frühzeitig sein Höchstgebot eingeben. Dann sorgen elektronische Bietagenten automatisch dafür, daß das jeweils höchste Gebot zu einem möglichst geringen Preis gewinnt.

Über seine persönlichen Erlebnisse mit Ebay sagte Ockenfels dem Abendblatt nur: "Bei cleverem und umsichtigem Bieten sind die Erfahrungen in der Regel positiv." Privat, soviel verriet der verheiratete Vater eines Jungen (1) und eines Mädchens (3), habe er schon eine Lego-Spielzeugeisenbahn und andere Kindersachen ersteigert. "Wobei meine Frau auf Ebay aktiver ist als ich als Privatperson." Und: "Als Verkäufer trete ich normalerweise lediglich im ,Namen der Forschung' auf." Wie ist er eigentlich auf das Thema

Ebay gekommen? Ockenfels schwärmt: "Ebay ist die erfolgreichste elektronische Marktplattform aller Zeiten, die mit Hilfe moderner Spieltheorie und einer ausgesprochen eleganten Auktionstheorie wunderbar analysiert werden kann." Ebay sei nicht nur aus theoretischer Sicht interessant, sondern ein leichtes Objekt für Feldforschung, da jeder die Daten zum Bietverhalten einsehen kann.

Das Auktionshaus Ebay selbst möchte die Forschungsergebnisse nicht kommentieren. Nur soviel ist in dem Unternehmen zu erfahren: Ockenfels habe den Leibniz-Preis verdient, seine Untersuchungen würden mit Interesse beobachtet.

Das Millionen-Preisgeld der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) muß in die wissenschaftliche Arbeit gesteckt werden. Und jeder kann davon profitieren: Ockenfels sucht ständig Versuchspersonen, die an Experimenten im Labor oder zu Hause via Internet teilnehmen und dabei "spielend" Geld verdienen (Internet: http://ockenfels.uni-koeln.de).

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