Grabtuch: Zweites Gesicht entdeckt

Turin: Rätsel um Abdruck auf Rückseite. Stammt er von Jesus Christus?

London. Es gilt als größte Reliquie des Christentums: das Turiner Grabtuch, das angeblich einen Gesichtsabdruck des gekreuzigten Jesu Christi zeigen soll. Jetzt die neue Sensation. Ein italienischer Professor entdeckte ein zweites Gesicht auf dem Leinentuch.

Ist es der Beweis, dass das berühmte Grabtuch, in das Jesus nach seinem Tod eingewickelt worden sein soll, echt ist? Das zweite Gesicht auf der Unterseite des Tuches ist jetzt zum ersten Mal im britischen Wissenschaftsmagazin "Journal of Optics" veröffentlicht worden.

Seit Jahrhunderten streiten Wissenschaftler und Geistliche über die Echtheit des 4,36 mal 1,10 Meter großen Leinentuches, das seit 1578 im Turiner Dom ausliegt. Auf ihm abgebildet: die Abdrücke eines Kopfes mit langen Haaren, Bart und Kreuzigungsspuren (Dornenkranz). Dazu ein schlanker, geschundener Körper. Für die katholische Kirche der Beweis der Wiederauferstehung des Gottessohnes: Nur sein Abbild blieb in dem Grabtuch zurück . . . Für Wissenschaftler wie Ray Rogers ist es eine Fälschung: "Man braucht keine Wunder, um das Bild zu erklären. Es lässt sich höchstwahrscheinlich mit gut bekannten chemischen Reaktionen erklären." Nun überrascht Professor Giulio Fanti von der Universität Padua mit einem zweiten, schwächeren Gesichtsabdruck - genau spiegelverkehrt auf der Rückseite. Professor Fanti: "Als ich die Bilder zum ersten Mal sah, war ich wie gebannt von dem Eindruck eines schwachen Abbildes auf der Rückseite des Tuches. Obwohl die Markierung nur sehr oberflächlich ist und nicht durch das Tuch geht, kann man eine Nase, Augen, Haare sowie einen Bart deutlich erkennen." Was für die Echtheit spricht: Die Abdrücke sind jeweils nur in den obersten Fasern verewigt. Wäre ein Abdruck gefälscht worden, müsste das Tuch stärker durchtränkt sein.

1988 fanden Institute in Zürich, Oxford und Arizona heraus, dass das Tuch erst zwischen 1260 und 1390 n. Chr. gewebt wurde. Vor zwei Jahren wiederum wurde nach Textil- und Pollenuntersuchungen festgestellt, dass der Stoff aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert stammt. Wird das Rätsel jemals gelöst werden?