TV-Verbot für Andreas Türck

Pro Sieben beurlaubt Moderator nach Vorwurf einer Vergewaltigung. Die Hintergründe.

Hamburg/Frankfurt. Ein lauer Sommerabend, ein paar Gläser Apfelwein in einer Frankfurter Disco - und ein heftiger Flirt, der nach Überzeugung der Frankfurter Staatsanwaltschaft in einer brutalen Vergewaltigung auf einer Brücke in der Innenstadt mündete. Das Opfer: eine 27 Jahre alte Angestellte, die nach der Arbeit ein bisschen tanzen gehen wollte. Dringend tatverdächtig: TV-Star Andreas Türck (35), der fast 1000-mal die nach ihm benannte tägliche Talkshow auf Pro Sieben moderierte, die in Hamburg aufgezeichnet wurde. Seit Januar präsentiert der vom Magazin "Amica" zum "erotischsten Entertainer Deutschlands" gewählte ledige Single die wöchentliche "Chart-Show".

Einen Tag, nachdem das Ermittlungsverfahren bekannt wurde, zog der Privatsender gestern Konsequenzen: Pro Sieben beurlaubte den Wiesbadener - und berief Bro'Sis-Sänger Faiz (23) zu seinem Nachfolger. Der Sender sehe sich angesichts des Vorwurfs und des vorwiegend jugendlichen Publikums außer Stande, die Musiksendung weiter von Türck moderieren zu lassen. ProSieben-Chef Nikolas Paalzow: "Wir gehen davon aus, dass Andreas Türck unschuldig ist. Sein Anwalt und er selbst haben uns glaubhaft versichert, dass die Vorwürfe unbegründet seien." Das TV-Verbot gelte, bis der Fall endgültig aufgeklärt sei.

Türck streitet nicht ab, die junge Frau im Sommer 2002 in der "Vinylbar" im Frankfurter Ostend kennen gelernt zu haben. Gemeinsam verließen sie die Disco und kamen sich näher. Ob der 1,90 Meter große Moderator Gewalt ausübte, ist umstritten.

Fest steht: Hinterher rief die Frau ihre beste Freundin an und sprach von einer Vergewaltigung. Da deren Freund damals wegen Drogenverdachtes selbst im Visier der Behörden war und sein Telefonanschluss abgehört wurde, begann die Staatsanwaltschaft gegen Türck wegen eines Sexualdeliktes zu ermitteln. Die Frau zeigte ihn nicht an.

Ihre Anwältin Friederike Vilmar warnt deshalb davor, sie "in die Promi-Luder-Ecke" zu stellen: "Meine Mandantin hatte Würgemale am Hals und zahlreiche Blutergüsse." Es gebe mehrere Zeugen. Vilmar geht von einer schnellen Anklage aus - im Gegensatz zu

Türcks Verteidiger, dem Heidelberger Anwalt Franz Dänekamp. Er bezeichnet den Vorwurf als "unglaubwürdig" und stellt das mutmaßliche Opfer als "psychisch krank" dar.

Dänekamp: "Beide Zeugen waren weniger als 20 Meter entfernt. Sie sagen übereinstimmend aus, dass sie eine Gewalteinwirkung nicht bemerkt haben, keinen Schrei, keinen Hilferuf, keine Abwehr." Der Anwalt behauptet sogar: "Es liegt inzwischen das Gutachten einer versierten Diplom-Psychologin vor, die die Möglichkeit von Wahnvorstellungen attestiert." Zudem sei die Frau nachweislich "erheblich alkoholisiert" gewesen. Dazu Friederike Vilmar: "Es gibt kein Gutachten, und meine Mandantin war auch nicht stark angetrunken." In der TV-Branche wie in der Discoszene gilt Türck zumindest als "arrogant". Türsteher Ingo W. im Magazin "Maintower" (Hessischer Rundfunk): "Wenn es nicht nach seiner Nase geht, wird er ungehalten, nach dem Motto: ,Ich bin prominent und sehe gut aus.' Wenn er einen Korb bekommt, kann es sein, dass er völlig ausklinkt." Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Gefängnis.