Roter Himmel über den Alpen

Sahara: Wüstensand nach Deutschland geweht. Sturm riss Strände auf Gran Canaria weg.

München/Palma de Mallorca. Wolken wie aus einer anderen Welt: Der blau-weiße Himmel über den Alpen hat sich am Wochenende in Gelb-, Rot- und Ockertönen präsentiert. Der Grund: Ein schwerer Sturm in Nordafrika wehte massenweise Sand aus der Sahara über das Mittelmeer nach Europa. Die rund 300 Kilometer breite Staubwolke aus Algerien und Tunesien bewegte sich in einer stürmischen Luftströmung über Italien, die Schweiz und Österreich bis nach Bayern. Ausläufer zogen bis nach Niedersachsen und Ostdeutschland, berichtet der Deutsche Wetterdienst. Eine Einwohnerin in Fürstenfeldbruck (Bayern): "Es sieht aus wie Nebel, durch den die Sonne scheint." Ein orkanartiger Föhn wirbelte mit bis zu 246 km/h durch das Berner Oberland.

In Tirol und Vorarlberg in Österreich löste das Naturschauspiel vorübergehend ein Verkehrschaos aus. Mancherorts mussten Lifte geschlossen werden. Am Patscherkofl bei Innsbruck wurden Windspitzen von 150 km/h gemessen. Der Meteorologe Arnold Tschofen: "Bei starker Föhnwetterlage wird gelegentlich Wüstensand nach Vorarlberg geweht. Eine derartige Verfärbung des Himmels ist aber äußerst selten." Über Mallorca vermischte sich der Sand mit Regen und ging als glitschige Brühe auf die Ferieninsel nieder. Sturm auch auf den Kanarischen Inseln: Auf Gran Canaria riss die aufgewühlte See weite Teile des Strandes von Maspalomas weg. Seewasser drang 500 Meter weit in die Dünen vor. 40 Urlauber mussten aus ihrem überfluteten Hotel gebracht werden. Eine Lokalzeitung: "Es wird mindestens zwei Jahre dauern, bis der Strand wieder so aussehen wird wie vorher."

Ein Schneechaos suchte Norditalien und die Türkei heim. Teile der Osttürkei waren von der Außenwelt abgeschnitten, auch in Ankara fielen viele Flüge aus.